PS3: Dante’s Inferno – Das bessere God of War?

Eines hat Publisher Electronic Arts / Visceral (Dead Space) mit Dante’s Inferno auf jeden Fall richtig gemacht: Sie haben es geschafft ihren Titel vor God of War 3 auf den Markt zu bringen, um so den Hype um God of War 3, mit dem das Genre des Hack’n’Slay eine gewaltige Wiedergeburt auf der PS3 feiern wird, auszunutzen.

Aus werbestrategischer Sicht wurde also alles richtig gemacht. Denn wie kann man sich am besten auf das bevorstehende Hack’n’Slay Erlebnis einstimmen? Eben, mit einem anderen Hack’n’Slay: Dante’s Inferno! Doch hält Dante’s Inferno was es verspricht? Dieser Frage werde ich im Folgendem auf den Grund gehen…

Die Story

Die Story von Dante’s Inferno ist, sofern man sich darauf einlassen will, etwas komplexer, da Sie auf dem Werk „Göttliche Komödie“ des italienischen Dichters Dante Alighieri beruht. Sie verkörpern den Protagonisten Dante, der von den Kreuzzügen zurückkommend feststellen muss, das seine Geliebte Beatrice in der Zwischenzeit ermordet wurde. Da Sie sich mit dieser Tatsache nicht abfinden wollen, fordern Sie quasi den Tod heraus und begeben sich direkt in die 9 Zirkel der Hölle um Ihre Geliebte Beatrice aus den Fängen des Todes zu befreien. Die Reise des Spielers erstreckt sich dabei über alle 9 Zirkel der Hölle: Dem Limbo (der Vorhölle), der Wollust, der Völlerei, der Habgier, dem Zorn, der Ketzerei, der Gewalt, dem Betrug und dem Verrat. Dabei wird im Spiel selber nur das erste Buch Dante’s behandelt: Das Inferno, was maßgeblich auch für die Titelgebung des Spiels verantwortlich ist. Da es noch ein zweites Buch gibt, kann man, sofern das Spiel ein kommerzieller Erfolg wird, durchaus noch mit mindestens einer Fortsetzung rechnen.

Das Gameplay

Das Gamplay von Dante’s Inferno ist recht schnell beschrieben: Sie schnetzeln sich durch Massen von Gegnern, von Zirkel zu Zirkel, an deren Ende ein Bossgegner auf Sie wartet: Der Tod, König Minos, Semiramis, Marc Antony, der Cerberus, Plutus, Alighiero, Francesco, die Malebolge Arena und zu guter letzt Lucifer selbst. Dabei gilt es die Schwäche des Gegners zu erkennen, zu bearbeiten und abschließend ein Quicktime Event zu meistern, um schließlich den Boss in die nächste Phase zu bringen. Meist sind 2-3 dieser Quicktime Events nötig, um einen Boss zu besiegen. Das Ganze ist hektisch, aber niemals unfair. Eine Komplettlösung brauchen Sie für die Bosse in Dante’s Inferno also nicht.

Ein Walkthrough durch die einzelnen Zirkel ist ebenso überflüssig, da die Wege sehr schlauchartig und linear aufgebaut sind, verlaufen kann man sich hier nicht. Das klingt negativ? Ist es aber nicht, vielmehr kann man sich so auf das eigentliche konzentrieren, dass Metzeln. Zwischendurch tauchen zwar immer wieder ein paar kleinere Rätsel auf, die den Weg versperren, dass Ganze beschränkt sich aber auf simple Klettereinlagen, Kisten verschieben oder Schalter umlegen. Aber Dante’s Inferno will schließlich auch kein Strategie-Spiel sein.

Die Steuerung

Warum das Spiel dennoch so gut funktioniert, liegt zum Einen an der ruckelfreien, stets bei 60 FPS bleibenden, Grafik (Einbrüche waren selbst bei Gegnermassen nicht zu erkennen), zum Anderen an der sehr durchdachten Steuerung. Visceral erfindet das Rad nämlich nicht neu, vielmehr bedient es sich bei God of War: Mit X springen Sie, mit dem Viereck schwingen Sie schnell Ihr Sense, Dreieck startet einen stärkeren, aber auch langsameren, Sensenangriff und mit dem Kreis steht Ihnen mit dem heiligen Kreuz Beatrice’s ein Fernkampfangriff zur Verfügung. Mit L1 öffnen Sie das Special Move Menü, wo sie auf die Tasten X, Dreieck, Viereck und Kreis spezielle, meist magische, Angriffe, frei platzieren können, die Sie während der Reise durch die 9 Zirkel freispielen.
L2 dient dem Blocken von Angriffen, mit R2 spießen sie den Gegner mit der Sense auf, wonach Sie die Wahl zwischen „Läuterung“ und „Hinrichtung“ haben, woraus Sie zusätzliche Heilig- oder Unheilig-Power gewinnen.

Diese „Power“ benötigen Sie zur Maximierung ihrer zwei Pfade, wodurch Sie zusätzliche Fähigkeiten in Form von Combos freischalten. Unheilig ist dabei eher Schadens- und Offensivorientiert, Heilig dient dabei eher der Vermeidung von Schaden. Da es für die jeweilige Maximierung eines Pfades eine Trophie gibt, wird man nicht umher kommen, das Spiel mindestens 2x durchzuspielen, zudem sich jeder Pfad auch stark unterschiedlich spielt. Mit ca. 10 Stunden pro Durchgang auf dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ sollte aber auch dieses doppelte Unterfangen nicht all zu lang dauern.
Gerade aus diesen Combos gewinnt das Spiel seine Faszination. Denn je stylischer Sie den Ausgeburten der Hölle zu Leibe rücken, desto breiter wird auch das Grinsen im Gesicht des Spielers. Das ganze erinnert dabei an die Choreographie eines Tanzes: Wie in Trance verbinden Sie Combos zu flüssigen Animationsketten und schlagen so Kerben in die Gegnermassen. Enthauptungen, Zweiteilungen und viel roter Saft rechtfertigen also als das 18er Rating durchaus.

Das Fazit

Nach dem Überraschungs-Hit „Dead Space“ ist Visceral mit „Dante’s Inferno“ erneut ein großer Wurf gelungen. Allerdings benötigt der Spieler eine gewisse Affinität zur Surrealität, um Gefallen an den überzeichneten Zirkeln der Hölle zu finden. Wem das nichts ausmacht und kein Spiel zum Nachdenken sucht, wird mit Dante’s Inferno ca. 10 Stunden bestens unterhalten. Besonders Spieler, die etwa bei Street Fighter oder Tekken jede Special-Move Tastencombo auswendig kannten und auf Abruf anbringen konnten, werden ihren Spaß haben, zumal die zwei Pfade Heilig/Unheilig zusätzliche Abwechslung und Combos anbieten. Einzig die feste Kameraperspektive an manchen Stellen ist ein wenig störend: Nicht selten habe ich versucht die feste Perspektive mit dem rechten Analog-Stick zu korrigieren, was Dante jedoch nur schnell zur Seite springen lässt (Dodge).

Wer also gespannt wie ein Flitzebogen auf God of War 3 wartet, kann die Zeit problemlos mit Dante’s Inferno überbrücken, auch wenn Dante selbst nicht den Style und die Coolness eines Kratos erreichen kann. Zumindest noch nicht. Derzeit arbeitet das Team von Visceral mit Hochdruck an Dead Space 2, aber man kann fast davon ausgehen, das wir danach ein Wiedersehen mit Dante feiern werden, der sich dann in der Fortsetzung sicher aufmacht, um Kratos vom Thron zu werfen. Als Titel der Fortsetzung wäre dann Dante’s Läuterung bzw. Dante’s Fegefeuer passend, ganz im Sinne des zweiten Buches. Themenschwerpunkt hierbei: Die 7 Todsünden. Als wenn sich daraus nicht super Metzelorgien basteln lassen würden…

Dante’s Inferno Gameplay Video Trailer:

Die englische Uncut Version von Dante’s Inferno wurde uns für das Review von Gutschein Code, dem Spezialist für Amazon Gutscheine, kostenlos zur Verfügung gestellt.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+