Reise, reise, Seemannreise, jeder fliegt auf seine Weise – wieviel Reiseerleichterung verträgt ein MMORPG?

Bei der Diskussion über die Gildentalente meinte Samiha, das einzige, was sie vermissen würde als momentan quasi Gildenlose seien die 5 % Mountspeed, die man erhalten könne. Und damit kam mir wieder ein Thema in den Sinn, welches ich schon lange einmal aufgreifen wollte. Es geht darum, wie klein oder groß die Welt sein darf, in der man sich spielerisch bewegt.

Das Thema ist in World of Warcraft eigentlich keins, das breit erörtert wird. Fakt ist, dass schon mit der Einführung der Flugmounts die Welt sehr viel kleiner wurde. In der alten Welt, die bis dato ja noch nicht befliegbar ist, kamen immer mehr Flugrouten dazu. Im Laufe der Zeit gab und gibt es außerdem: kürzer Cooldown auf dem Ruhestein, dann den Port über Portstein und nun den Port direkt in die Instanz via Dungeonfinder.

Der nächste Schritt blüht uns nun in Cataclysm: Masssummon via Gildentalent, damit spart man sich auch den Hexer, der bis dato immerhin noch den Stein aufstellen und mittels eines Mitspielers die Leute einzeln ranholen mußte. Aber das alles hat seinen Preis: seit der Einführung der Flugmounts gibt es faktisch gar kein World PVP mehr, dies wird im Addon noch mehr verschärft durch noch mehr Zoning in den den Regionen. Das einzige kurze Comeback war die Insel in Burning Crusade, wo man sich nicht einfach dem Kampf entziehen konnte. Nun muss man sagen, dass das wohl auch durchaus beabsichtigt war, denn die Zahl derjenigen, die World PVP präferierten, war in WoW immer recht klein.

Auch in Warhammer ist die Größe der Welt ein Problem. Man merkte das schon damals, als die Leute von Zone zu Zone gerannt sind, um die Abzeichen zu leechen. In Sekundenschnelle konnte man überall waren. Immerhin waren die Zonen selber so groß, dass hier die Reisezeit eine wirkliche Rolle bei der Strategie spielte: griff man Punkt A an, um von B abzulenken und der Gegner spielte mit, dann machte das wirklich etwas aus.

In Eve gibt es auch immer wieder die Diskussion, ob die Einführung von Jump Freightern und Jump Bridges nicht die Welt zu klein machen. Auf diese Weise wird aus der gemeinsamen Anstrengung, sich im Nullsec zu versorgen oft eine Aktion, die wenige Leute in der Allianz erledigen können. Auch führt dies und die Möglichkeit, mit Capitals und Cynoketten in Eve sehr schnell von einem Ende der Galaxis ans andere zu reisen, dazu, dass wenige Allianzen enorme Territorien kontrollieren oder zumindest die Kontrolle durch andere verhindern. Auch der einzelne Spieler kann mit geschickt platzieren Jumpclones sehr schnell große Entfernungen überbrücken.

Natürlich ist es für den unbedarten Spieler erst einmal toll, wenn er sofort überall sein kann. Reisezeit ist schließlich erstmal eine relativ langweilige Zeit. Andererseits hat es oft sehr weitreichende Folgen für die Spielwelt. Dies fängt damit an, dass Begegnungs PVP immer mehr abnimmt, je kleiner die Welt wird. Der andere Faktor ist, dass viele Entscheidungen ohne Konsequenz getroffen werden können. Aber auch die Atmosphäre eines Spiel leidet oft darunter, dass man von der Größe der Welt eigentlich gar nichts mehr mitbekommt.

Ich persönlich würde mir in WoW, auch wenn es natürlich total illusorisch ist, die Entfernung von Flugmounts erhoffen. Ähnliches gilt für den Dungeonfinder. Zwar ist der sehr praktisch, aber zumindest im 80er Bereich rührt seine Popularität u.a. aus der Notwendigkeit her, Marken über die Daily Hero zu farmen. Es hätte für neue Twinks sogar den Vorteil, dass man diese nicht ganz so schnell fertig hätte, weil eben Reisezeit dazu kommt. Das ganze Spiel würde also etwas entschleunigt, gleichzeitig könnte man PVP Server auch wirklich wieder als solche bezeichnen. Auch War würde es ganz gut tun, wie Yitu schon neulich bemerkte (auch wenn ich den Beitrag grad nicht finde, leider).

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+