Totes Kapital

Totes Kapital ist nichts anderes als Geld oder Gegenstände, die ungenutzt herumliegen anstatt diese wirtschaftlich einzusetzen. Gerade unter den MMO Spielern gibt es viele, die ihrem Sammeltrieb so weit nachgeben, dass irgendwann die Lager aus allen Nähten platzen, Da wird bei Spielen mit Lagerplatzbeschränkung wie War oder WoW der dritte Muli angelegt, die Gildenbank ist auch schon voll und überhaupt, auch das Postsystem wird als Lagerraum mißbraucht.

In Eve sieht das dann eher so aus, dass man über das gesamte bekannte Universum Schiffe, Module und Munition verteilt hat, teilweise in absolut überdimensionierten Lagern. Natürlich darf man immer fragen, was sollte man sonst mit dem Geld machen. In einem Spiel wie WoW ist das sicherlich berechtigt, ist doch die Beschaffung etwa von Rohstoffen wenn man einem neuen Twink einen neuen Beruf verpassen will, oft nerviger als das gelegentliche Einlagern. Zumindest, bis man an die absoluten Grenzen stößt. Andererseits gibt es Kapital, das in der Tat mit jedem Tag ein wenig an Wert verliert. Dazu zählen beispielsweise die aktuellen Raidmarken, mittels denen man die jeweiligen Orbs zu craften kaufen kann (oder im aktuellen Fall das Saronit). Diese Gegenstände, die faktisch den monetären Wert einer Marke definieren, unterliegen aus ganz leicht nachvollziehbaren Gründen der Inflation. Denn jeden Tag kommen über Dailies, Raids und Quests mehr Marken in den Pool, gleichzeitig setzt bei den alten Charakteren eine immer stärkere Sättigung, wenn etwa auch das 2. und 3. Set schon komplett sind.  Ähnliches gilt auch die die kleineren Marken, wobei ich hier zugestehen muss, dass die Edelsteine erstaunlich preisstabil bleiben. Wobei das ein Prozeß ist, der so ähnlich schon in BC abgelaufen ist: langsamer Verfall bis zum Erreichen eines Widerstands, wie man das in der Charttechnik sagen würde, und dann langes Verweilen mit schleichender Errosion an diesem Preispunkt. Kurz vor Cata werden die Gempreise dann nochmal kräftig absacken.

In Spielen, die nicht von gebundenen Gegenständen dominiert werden wie etwa Eve ist der Prozeß ein etwas anderer. Hier sammelt sich schleichend immer mehr Schrott im Hangar an, sei es durch Loot, sei es dadurch, dass man Fittings kauft für ein Schiff, das man dann doch nicht fliegt, oder sei es wie meine Navy Geddon, die ich ohne einen Einsatz letztendlich wieder verkauft habe, weil wir seit geraumer Zeit einfach kaum noch Battleships rausfliegen (und wenn, dann mit solchen Gangs, wo man doch mit Totalverlusten rechnen muss und dann doch in was billigeres einsteigt. Ich habe es mir mittlerweile zur Angewohnheit gemacht, kleinere Munitionsmengen etwa, die irgendwo im Nirvana abgeladen wurden, um Platz zu schaffen oder auch die veritable Ibis Sammlung, die ich zwischenzeitlich mal hatte, einfach zu trashen. Dennoch ist meine Assetliste wesentlich länger und vor allem auf wesentlich mehr Station verteilt, als mir das lieb sein kann. Einer der Gründe dafür ist sicherlich, dass man im Lowsec nicht mal eben in einen T1 Hauler springt und alles durch die Gegend schippert – ein anderer aber auch, dass der Aufwand oft nicht lohnt oder die Güter teilweise zu sperrig sind (das gilt etwa für meinen Loot im Low Sec Missionhub, den ich noch nicht komplett aufgelöst habe).  Und dennoch, es lohnt sich, ab und zu die Container zu durchforsten und auszusortieren, auf die Weise kann man sich eher doch mal das Spielzeug leisten, auf das man eigentlich schon lange hinspart. Konkretes Beispiel? Die Navy Geddon, die ich leider mit ziemlichen Verlust verkaufen mußte, hat im Endeffekt die Rigs für meine Legion finanziert.

Andererseits sollte man nicht auf Teufel komm raus liquidieren, sondern sich den Zeitpunkt anschauen. Beispiel: jetzt die Lager leerzuräumen dürfte fatal sein, dürften doch mit Cataclysm viele Spieler einen ihrer Craftberufe erst einmal aufgeben und auf einen Sammelberuf wechseln. Diese Leute müssen alle später wieder ihren zweiten Beruf hochskillen, was für eine ziemliche Nachfrage an Lowlevel Kram führt. Es gilt also, den Markt zu beobachten und nur das zu verkaufen, was schon jetzt auf einem hohen Niveau ist (und möglicherweise durch die Craftingänderungen an Wert verlieren wird). Das sind beispielsweise die Sachen, die man gemeinhin für den Bereich 225 – 300 braucht, erfahrungsgemäß versenkt man hier locker 50 % der Gesamtkosten für das Leveln eines Berufs.

Aber auch in Eve gibt es Beispiele hierfür: ich werde nie meine Golem verkaufen, auch wenn ich sie aktuell nicht nutze. Warum? Weil ich nur noch 50 % des Einstandspreises erhalten werde, wenn überhaupt. Das sind dann solche Verluste, wo man das, was kein Geld und keinen Aufwand frißt (und das tun nahezu gar keine Besitztümer in MMOs) einfach liegen läßt, getreu der Devise: schlimmer wirds nimmer.

Oft fällt die Entscheidung, ob totes Kapital entsteht oder nicht direkt mit der Erlangung des Guts. Wenn im Hinterkopf der Gedanke auftaucht: das könnte ich irgendwann mal gebrauchen, dann wird man es in der Regel erstmal ablegen und warten. Alternativ taucht auch oft die Überlegung auf, dass es zu wertvoll ist, um es in den Vendor oder die Buyorders zu drücken, aber andererseits zu wenig Geld gibt, um es gezielt zu verkaufen. Auf die Weise sammelt sich dann auch relativ viel Schrott an, der zwar Platz frißt, aber an sich wenig Kapital darstellt.

Was will ich also sagen? Durchforstet mal eure Accounts und schaut mal, ob ihr euch nicht doch von Sachen trennen könnt/wollt/müßt. So ein Frühjahrsputz tut jedenfalls richtig gut, wenn man am Ende doch eine dickere Geldbörse hat.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+