MMO’s 2008 – Rück- und Ausblicke

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, Zeit aus MMO-Sicht einmal auf das doch bewegte Jahr 2008 zurück zu schauen.

Bereits Ende 2007 erschien das von vielen erwartete Tabula Rasa, bei dem Richard Garriott, bekannt durch die Ultima Reihe sowie City of Heroes und City of Villains, als Leitender Produzent seine Finger im Spiel hatte. Leider konnte das Spiel in keinster Weise den hohen Erwartungen gerecht werden und wurde zum kommerziellen Flop.

Ebenso in 2007 erschienen und sehnlichst erwartet: Hellgate London. Der Diablo-Klon, bei dem der geistige Diablo Vater Bill Roper persönlich mit an Bord war, konnte nicht das Feeling vermitteln, was man sich vom inoffiziellen dritten Diablo Teil erhofft hatte. Der kostenpflichte Onlinezugang floppte. Das Studio Flagship prägte dadurch den neuen Begriff „geflagshipped“ für ein in den Sand gesetztes Projekt. Im Juli wurde das Studio aufgrund finanzieller Probleme geschlossen, Ende diesen Jahres sollen die letzten Server für den Bezahlcontent, die derzeit noch von Namco Bandai Games fortgeführt werden, abgeschaltet werden. Somit bleibt HGL nur noch als durchschnittliches OfflineGame in Erinnerung.

Das erste große Release was in diesem Jahr vor der Tür stand war Age of Conan. Sehr oft verschoben kam es nun endlich doch. Und FunCom hätte sich besser noch ein Jahr Zeit gelassen. Glänzen die ersten 20 Level im Startgebiet Tortage unglaublich hell, verblasst das Spiel immer mehr auf dem Weg Richtung 80. Zu wenig Content zum Leveln, zu wenig Content, wenn man den maximalen Level erreicht hat, versprochene Features wie z.B. Massive Siege Keep Fights waren noch gar nicht implementiert und PVP gab es auch in keiner sinnvollen Variante. Zudem war das Crafting in allen Bereichen stark verbugged, der Client lief, aufgrund Speicheradressproblemen, sehr instabil. FunCom versuchte hier zwar mit Patches Abhilfe zu schaffen, doch die Spieler begannen bereits zu flüchten, da das Release schlicht und einfach das Schlechteste einer MMO-Geschichte war, was ich bis dato mit verfolgen durfte (das für den Start versprochene DX10 gibt es noch immer nicht). Erst jüngst musste FunCom wieder seinen Stab an Mitarbeiter reduzieren und auch die FunCom-Aktienkurse verheißen nichts gutes. Die bereits für Dezember angekündigte Serverzusammenlegung aufgrund von Massenabwanderungen (die offiziell nicht stattfanden), musste aufgrund von Datenbankinkonsistenzen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. All dies verheißt für die Zukunft nichts Gutes, und selbst wenn FunCom das Spiel irgendwann einmal fertig bekommen sollte, ist der Ruf soweit ruiniert, das sich für das Spiel kaum jemand mehr interessiert.

Besser machte es Mythic mit Warhammer Online. Der Start verlief reibungslos, alle versprochenen Features waren implementiert, sieht man einmal von der Streichung von Klassen und Hauptstädten ab, die es zum Release nicht mehr in Game geschafft haben. Jedoch ist das Spiel so stark auf Realm vs. Realm und PvP konzentriert, das es kaum Solo und PvE Content gibt. Dies wiederrum scheint bei der breiten Masse auch nicht so gut anzukommen, so das die Abo-Zahlen hier auch schon wieder rückläufig sind. Ansonsten ist das Spiel aber auf alle Fälle mal einen Probemonat wert.

Und dann kam Wrath of the Lich King. Bewährte WoW-Kost neu verpackt. Das ganze dieses mal eine Spur leichter, damit auch jeder den Content erleben kann. Hier bleibt nur zu hoffen, das in kommenden Contentpatches wieder etwas an der Schwierigkeitsschraube gedreht wird, da sonst die Spitze, die sog. Top Raids, irgendwann wegbrechen werden.

Die Minen von Moria, das erste Addon für Herr der Ringe Online, stellte den Abschluss des bewegten Jahres 2008 dar. Turbine hat soweit alles richtig gemacht und kann sich einen festen und stabilen Kundenkreis im MMO-Business sichern.

Was bringt die Zukunft?

Stargate Worlds wäre ein interessantes Spiel, leider gehen derzeit Gerüchte rum, das Entwickler Cheynne Mountain Entertainment finanzielle Probleme hat und die Mitarbeiter bereits einen Monat kein Gehalt mehr bekommen hätten. Wenn dies stimmen sollte, wären dies schlechte Aussichten auf die Fertigstellung des MMOs.

Star Trek Online hat bereits einen Wechsel des Studios hinter sich und wird derzeit von Cryptic Studios weiter entwickelt, die bereits MMO-Erfahrung mit City of Heroes und City of Villains sammeln konnten. Hier bleibt zu hoffen das sie STO nicht verbocken, dann dies wäre mein persönlicher Favorit bei künftigen MMOs.

Wie dem auch sei, so schnell wird es keine Ablösung für WoW geben. Selbsternannte WoW-Killer sind kläglich gescheitert und ich bin der Meinung, daß Blizzard sich irgendwann selbst ablösen wird mit einem neuen MMO, da es derzeit den Anschein hat, als wenn es kein anderer schaffen würde.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+