Attunements vs. Achievements & Zeitmanagement

Ich habe ja gestern schon darüber berichtet, das Ulduar kein Attunement voraussetzen wird. Eine Entscheidung die ich persönlich nicht nachvollziehen kann, da ich ein Befürworter eben jener Zugangsquest bin.

Ich hab gestern den Abend mit Grüni vom Warcraft-Blog im Chat verbracht und er war da gänzlich anderer Meinung: „Attunements haben doch noch nie funktioniert“.

Ja und Nein.

Sicherlich nerven Attunements auf der einen Seite. Sie kosten Zeit, machen manchmal keinen Spaß, manche Leute schaffen sie nicht und müssen dann wieder durchgezogen werden.

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Alles richtig, aber genau das ist ja der Hintergedanke bei Attunements. Man muss halt erstmal ein wenig Zeit investieren, bis man die eigentliche Instanz spielen kann. In dieser Zeit verbessert sich das Gear und das Können des Spielers, da er durch die Questline auf die Instanz vorbereitet wird. Schafft er die PreQuest nicht, ist irgendwo etwas im argen, er ist also grundlegend nicht bereit für den weiterführenden Content.

Dies hat natürlich den Vorteil, das nicht der ganze Server zum Release der neuen Instanz sofort mit dem Raiden beginnen kann, was die Instanzserver deutlich entlastet. Sicherlich, bekäme Blizzard die Lag-Problematiken in den Griff, so das es egal wäre ob 4 Raidgruppen in Naxxramas sind oder eben 40, wäre es mir (fast) egal. So kann nun aber jeder sofort in die Instanz, was die Server regelmäßig abrauchen lässt. Eine Tatsache die man (mit Attunements) in Burning Crusade kaum erlebt hat, da der Content durch Attunements entzerrt wurde und die Raids dezentralisiert verschiedene Instanzen geraidet haben.

Ferner wird der alte Content durch nicht vorhandene Attunements beim Release eines neuen Content quasi instant obsolet. Wer geht den noch nach Naxx, wenn mach dann nach Ulduar kann? Erinnert euch an SSC und TK. Mit dem Wegfall der Attunements für MH und BT ging so gut wie niemand mehr Richtung Vashji und Kel’thas, wohlgemerkt zwei der besten Encounter im letzten Addon.

Hier bin ich der Meinung, das man mindestens einmal den alten Content gesehen haben sollte, da man hier neben Gear auch Raiderfahrung sammelt, die man in der nächsten Instanz sicherlich gebrauchen kann. Zwingt man den Spieler hier nicht dazu, wird er es eben nicht tun.

Das nach und nach die Attunements wegfallen finde ich ja ok. Daher fand ich die Roadmap vom letzten Addon eigentlich ziemlich genial und perfekt gelöst.

Und noch heute erinnere ich mich gerne an die alte BC Zeit zurück. Mein Reroll vom Rogue auf den Priester und dann mit Mesh ab nach SH-Heroic. Die Instanz war damals Brett hart und gerade für uns Frischlinge eine echte Herausforderung. Aber selbst wir Neulinge haben sie nach weniger als 10 Versuchen geschafft, und das sogar als erste in unserer Raidallianz. Nicht wenige haben wir dann dort durchgezogen. Mir hat’s damals Spaß gemacht. Ein Punkt den ich derweil in Lich King schmerzlich und gänzlich vermisse. Ich würde fast behaupten das der Anfang von BC die beste Zeit in WoW war, die ich bis dato hatte.

Nun gibt es statt Attunements halt Achievements. Waren Attunements damals noch ein Muss, stellen Achievements ein Kann dar. Wer Lust hat kann sie machen, wer sie nicht mag lässt es bleiben. Ich mag sie nicht (da sie mir und meinem Char absolut nichts bringen) und lass es größtenteils bleiben.

Dies führt nun aber zu einem weiteren Problem. Dem zeitlichen Aspekt. Musste man früher Attunements machen, die meist doch recht zeitintensiv waren, muss man für Achievements rein gar nichts zeitlich investieren.

Machen wir mal fix einen zeitlichen Vergleich:

Burning Crusade:

5 Raidtage a 4 Stunden, zumindest bis der Content clear war. Wir hatten damals nur einen Leerlauf zwischen BT/MH clear und dem Erscheinen von Sunwell.

2 Stunden hielten die Flasks, in der Summe also 10 Flasks die Woche. Ferner wurden noch Blumen für Manapots benötigt, die man damals noch in Kette (Chainpotting) werfen konnte. Blumen waren weit seltener, der Respawntimer weit höher als jetzt. Für die Manaöle brauchte man auch Blumen, nebst Staub, den man via Greens der späteren Dailyquests bekam.

Achja, Bufffood brauchte man auch noch. Die Flusskrebse/Goldfische gab es nur um Skettis herum und waren weit seltener als die Fishspawns heute inkl. höherer Respawnzeit.

Durch den schwereren Content hatte man wesentlich mehr Wipes und höhere Repkosten, so das man auch das Goldfarmen nicht vernachlässigen konnte.

Allein wenn man ambitioniert raiden wollte, hatte man immer einen Grund einzuloggen um sich darauf vorzubereiten. Wenn man dann nichts mehr zu tun hatte, konnte man noch immer BGs oder Arena spielen, wozu aber selten die Zeit übrig blieb. Zum Glück, denn ich bin kein ausdauernder PvPler.

Nun zum Vergleich mal Wrath of the Lich King:

Nach 1, maximal 2 Raidtagen ist der Content clear. Und das bereits in der 4. ID nach Addon-Release (Ausnahme Sarth +3, der nun aber ja ein Kann und kein Muss darstellt).

Flasks halten für mich als Alchi nun 4 Stunden, das heißt mit 2 Flasks komm ich pro Woche aus (also 8 Flasks weniger als in BC pro Woche!). Was wieder bedeutet, das ich weniger Blumen farmen muss, die zudem noch wesentlich häufiger vertreten sind und sehr kurze Respawnzeiten haben. Manaöl gibt es nicht mehr, ergo sind kein Staub und Blumen dafür nötig. Chainpotting gibt es nicht mehr, auch hier für muss man nicht mehr farmen. Ich hab mir zum Addon-Start eine 20er Manatrank Einspritzung gebaut, von der noch 13 Manapots übrig sind. Man braucht also weit weit weniger Mats, findet diese aber auch noch weit weit schneller als in BC.

Angeln geht auch schneller von der Hand. In 30 Minuten hab ich einen Bufffood-Vorrat der über einen Monat hält. Dies ist den sehr kurzen Respawnzeiten der Fischschwärme zu verdanken. Verbrauchen tut man das Bufffood insgesamt langsamer als in BC, da man kaum wiped.

Ebenso hat man kaum Repkosten, so das man immer mit massig Goldgewinn aus den Instanzen geht.

Was bleibt ist also nur noch BG und Arena. Aber das halte ich keine 5 Tage die Woche durch. Nach 2 Tagen sitz ich also rum und warte auf den ID-Reset, weil es sonst einfach nichts mehr zu tun gibt. Ich habe genug Blumen im Lager, genug Bufffood, 70k Gold auf dem Account, wobei ich wohl gar nichts mehr ausgeben werde, wenn das Duale Talentsystem kommt, da es derzeit der einzige Punkt ist, wo ich mal 50G ausgebe.

In meinen Augen hat Blizzard ganz klar einen gewaltigen Fehler gemacht: Sie haben zum einen die Zeit, die man investieren muss um ambitioniert Raiden zu können, extrem runter geschraubt. Sei es durch extrem kurze Blumen/Fisch Respawnzeiten (bzw. die Anzahl der Spots hat an sich auch extrem zugenommen), den Wegfall vom Chainpotting und der Manaöle, sowie dem Bonus den Alchis im Raidgame haben.

Das wäre ja soweit auch alles nicht schlimm, wenn man ein Raidcontent wie in BC vor sich hätte. Denn dort wäre diese Vereinfachung wirklich extrem hilfreich gewesen.

Nun hat Blizzard aber nicht nur an dieser Stellschraube gedreht, sondern auch an der Raidschwierigkeit, was dazu führt, das man nach 2 Tagen nicht mehr weiß was man tun soll. Sprich könnte man 4-5 Tage raiden und hätte dann den Content noch immer nicht clear, würde der Wegfall des Farmaufwands gar nicht stören. Nun ist man aber nach 2 Tagen fertig und muss dafür nicht mal farmen.

Das alles führt nun bei mir dazu, das ich weit weit weniger Spiele als noch zu BC-Zeiten. Und das nicht freiwillig, sondern einfach aus dem Grund, weil es nichts Sinnvolles zu tun gibt. Twinken und BG/Arena lasse ich jetzt mal bewusst außen vor, ebenso wie Achievement-Runs, die mich nur marginal interessieren.

Ich bin der Meinung, das der Wegfall der Attunements, der zu leichte Content, die Vereinfachungen bzw. der Wegfall des Farmens und eben die Achievements, die in meinen Augen keinen Content, vielmehr Content Dehnung darstellen, dazu führen, das man derzeit kaum was im Spiel zu tun hat, was dazu führt das man seltener einloggen muss/will. Und gerade das sollte doch das Ziel von Blizzard sein: Den Spieler dazu annimieren regelmäßig einzuloggen und Zeit im Spiel zu verbringen und nicht einen Gedanken daran zu verschwenden auszuloggen, weil es nichts mehr zu tun gibt.

Was ich nun von Euch wissen möchte: Wie schaut‘s bei Euch zeitlich aus? Spielt ihr mehr, weniger oder gar gleich viel? Dafür starte ich mal die erste Umfrage, ich hoffe auf rege Beteiligung und ehrliche Antworten.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+