Von 100 auf 0 in 24 Stunden

Oder: Wie es zu meiner WoW-Pause kam.
Der eine oder andere wird sich sicher fragen, warum ich denn nun mit WoW aufgehört habe. Zuerst einmal, der Entschluss kam mehr als spontan und war keinesfalls geplant.

Grundsätzlich lassen sich die Gründe in 2 Faktoren unterteilen.

a) WoWspezifische Faktoren
b) Gildenspezifische Faktoren

Was mir partout nicht gefällt, ist das neue „Bring the Player, not the Class“ Konzept von Blizzard. Sprich jede Klasse kann mittlerweile (fast) alles, es ist quasi egal welchen Typ Heiler, Tank oder Damage Dealer man mitnimmt, keiner hat mehr besondere Vor- oder Nachteile. Gerade diesen Einheitsbrei sollte es in einem MMO nicht geben, dafür gibt es halt verschiedene Klassen.

Die Entscheidung die Schwierigkeit der Encounter nur noch über Hardmodes zu definieren, halte ich für misslungen, da der Wiederspielwert eines Encounters wenn er einmal besiegt wurde, nur noch marginal ist, auch wenn man dann noch 1,2, oder 3 Drachen mehr dazu schaltet. Zumal der Bonusloot auch nur minimal besser ist als der Non-Hardmode Loot. Hier ist es schwer die Leute für eben jene Hardmodes dauerhaft zu motivieren, da viele den Sinn darin nicht erkennen und mit dem Standardloot mehr als zufrieden sind.

Balancing fürs PvP. Es wird größtenteils nur noch für die Arena und den E-Sport getunt, damit alle Klassen Wettkampf geeignet sind. Wen PvP nicht interessiert, hat es schwer manche Entscheidungen nachzuvollziehen.

Die NonRaid-Instanzen sind zu leicht geworden. Erst gestern im Voice hatten wir wieder ein Gespräch wie geil damals im Sunwell 5er das „Arena Event“ war, und wie oft wir daran gewipet sind, bis wir es irgendwie mal geschafft hatten. Oder die Trails of Naruu. Sprich es gab auch noch in kleinen Gruppen in den Instanzen Herausforderungen. Heute rusht man durch alles durch, 30 Minuten maximal, dann ist die Instanz clear. Herausforderungen hat man keine.

Der Consumable Nerf war zu heftig. Wenn ich überlege was ich früher mit meinem Rogue gefarmt habe (Jujus, Fellwood Food, Winterfell Feuerwasser, Agi, Mungo, Stärke und natürlich die Herbs dafür, Crit/Wetzsteine für die Waffen), man hatte immer was zu tun. Auch wenn es nervig war, man hatte was zu tun. Heute brauch man sich nicht mal mehr Öle für die Waffen farmen. Eine Flask und gut. Und für diese muss ich nicht mal 5 Minuten farmen. Und natürlich das Goldfarmen in Tyrs Hand, da es ja noch keine Dailys gab, fürs Umskillken zwischen Combat Dagger und Seal Fate.

Goldfarmen? Bei 60k Accountvermögen (es waren sogar mal 80k) brauch ich das heute auch nicht mehr. Dailys machen brauch ich also auch nicht. Alle nötigen Factions sind auf ehrfürchtig, Achievements interessieren mich nicht, also was bleibt außer PvP, was mich ebenso nicht interessiert, da es in meinen Augen immer noch zu FotM dominierend ist?

Bleibt also nur noch Twinken (oh gott nicht schon wieder) oder eben Hardmodes raiden. Man wird also zum Raidlogger.
Bei einer 5 Tage Raidwoche loggt man aber noch immer oft genug ein.

Vor allem wenn man noch Taktiken vorbereitet, DKPs einträgt, Strafen verteilt und Nachbesprechungen macht. Halt das übliche als Raidleiter. Und so kam ich innerhalb der letzten 6 Monate auf eine 100% Beteiligung.

Frustrierend wird es dann, wenn die Gildenkollegen nicht mitziehen und wenn man wegen individueller Dummheit Encounter nicht schafft. Einfachste Klassen- oder Spielmechaniken wurden nicht verstanden, Minusdps, Movementkrüppel oder Antiheiler halt.

Wenn ich mir 5 Tage in der Woche für etwas Zeit nehme, dann will ich unterm Strich auch Erfolge dafür sehen. Diese blieben aber in letzter Zeit bei uns aus, was mich wiederum sehr demotiviert hat. Es ging zum Schluss sogar schon soweit, das mir das Raiden wie Arbeiten vorkam. Mann will nicht hin, geht aber trotzdem, weil man weiß, das man muss.

Als ich letztlich feststellte das ich selber angefangen habe scheiße zu spielen und weit hinter meinem gewohnten Healoutput lag, einfach aus Frustration und Spaßmangel, wurde es Zeit die Notbremse zu ziehen.

Denn Spaß sollte das Spiel schon machen. Und wenn ich was mache, will ich es gut machen. Und wenn beides nicht mehr gegeben ist, ist es Zeit aufzuhören. Und so meldete ich mich nicht mehr für die Raids an. Von 100 auf 0 in 24 Stunden.

Und um ehrlich zu sein: Man hat verdammt viel Zeit, wenn man nicht 5 Tage die Woche um 19 Uhr am Rechner sitzen muss. Als ich noch geraidet habe ist mir das nie so aufgefallen, wie gebunden man in Wirklichkeit ist. Ob ich noch mal zurück kehren werde? Fraglich. Das was ich bis dato vom kommenden Addon gelesen habe, lockt mich nicht wirklich zurück.

Aber abwarten, und niemals nie sagen. Die nächste Zeit jedoch sicher nicht. Denn derzeit bin ich noch mit Warhammer zufrieden, was man nach belieben und ohne feste Raidzeiten oder Verpflichtungen spielen kann.

Evtl. werde ich mir auch mal Aion bzw. Jumpgate Evolution und Star Trek Online ansehen.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+