Der Tag, an dem das neue Blizzard MMO starb

Zumindest für mich. Warum?
Angang der Woche meldete sich Bobby Kotick, seines Zeichens Chef von Activision Blizzard, bei dem Analystentreffen Deutsche Bank Securities Technology Conference, zu Wort.
Und was er da von sich gab, war eine Bestätigung meines Gefühls, was ich schon seit längerer Zeit habe.

„Die meisten der 20 Jahre, in denen ich für Wachstum bei Activision gesorgt habe, waren wir damit zufrieden, Produkte herzustellen, die attraktiv für den 16 bis 35 Jahre alten Typen sind, der kein Date für Samstagnacht abbekommen hat“

Da nun aber die Zielgruppe an Gamern in den letzten Jahren um 15 Millionen gewachsen sei, seien z.B. immer mehr Frauen dazugekommen. Zudem sei der Altersschnitt auf 25-34 Jahren angestiegen.

Also gut, eine Erhöhung von durchschnittlich 10 Jahren. Klar, das die neue Zielgruppe mehr Geld in der Tasche hat, als noch damals, wo die Spieler größtenteils aus Schulkindern bestand. Und wo Geld in der Tasche ist, kann man es natürlich auch rausziehen.

Auch zum Thema der Unternehmenskultur bei Activision Blizzard äußerte sich Kotick. Die habe nur ein Ziel: künftig einen operativen Gewinn von 50 Prozent zu erzielen. Intern würden nur "Profite belohnt und sonst nichts". Es gebe Studiochefs, die noch vor fünf Jahren kein "Balance sheet" (Bilanzblatt) von einem "Bed sheet" (Bettlaken) unterscheiden konnten, und jetzt tauchten sie regelmäßig zu Budgetverhandlungen in der Finanzabteilung auf. Kotick sagte, er habe vor zehn Jahren absichtlich neue Mitarbeiter aus anderen Branchen zu Activision gebracht, um "den Spaß aus der Entwicklung von Videospielen" zu vertreiben. Er versuche, bei Activision eine Atmosphäre von "Kleingläubigkeit, Schwarzseherei und Angst" zu etablieren, um die Mitarbeiter insbesondere angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise dazu zu bringen, stark auf die Kosten zu achten.

Und wenn ich das lese weiß ich nicht ob ich vor Wut platzen oder weinen soll. Blizzard war in meinen Augen einer der besten Spieleschmieden unserer Zeit.

Diese Spiele konnte man blind kaufen, es waren Qualitätsprodukte, die über Jahre Spaß gemacht haben. Man merkte deutlich, dass die Leute Ahnung von der Materie hatten und ihre Spiele mit Liebe designt haben, so als wenn sie es für sich selber programmieren würde. Keine Firma hat z.B. mehr Easter Eggs in ihren Produkten eingebaut als Blizzard.

Und nun? Nun sind wir für Activision Blizzard nur noch eine Chash Cow, die es zu melken gilt. Mir ist schon klar, dass Activision nicht die Wohlfahrt ist und jede Firma auf Gewinn aus ist.
Aber damals hatte man das Gefühl das Qualität und Spaß noch vor dem Gewinn steht. Denn nur glückliche Kunden, sind gern zahlende Kunden.

Nun merkt man aber deutlich die neue Philosophie bei Activision und das Gewinn über alles geht. Leider auf Kosten der Gamer, zumindest jene, die Blizzard Games von Beginn an gespielt haben. Klar das es Leute, die z.B. jetzt erst mit World of Warcraft in Kontakt kommen, nicht so merken wie die alten Hasen die von Release an gespielt haben.
Auch StarCraft 2 in 3 Teilen zu veröffentlichen ist in meinen Augen eine rein finanzielle Entscheidung, da man so mit dem gleichen Produkt 3x Kohle einsacken kann.

Letzte Hoffnung hatte ich persönlich in dem neuen, geplanten MMO von Blizzard, so das es World of Warcraft ablösen könnte und wieder so gut wird, wie WoW damals war. Aber nach der Aussage

"Momentan hat Blizzard drei Spiele bestätigt: Starcraft 2, Diablo 3 und ein neues MMO, das eine etwas breitere Masse ansprechen wird"
Das kann wohl als weiterer Beleg dafür gelten, dass die Unternehmen mit dem Projekt ganz neue Wege gehen. Klar ist, dass das Onlinespiel auf keiner der bislang bekannten Marken von Blizzard basieren wird.

kann ich diese Hoffnung wohl begragen. Noch massentauglicher als Casual WoW? Das kann ja was werden.
Sicherlich wird Housing drin vorkommen, kein PvP, man will ja sicherlich keine In-House Konkurrenz zu WoW schaffen, einfärbbare Klamotten, Vanity Pets usw.
Sprich der totale Sammelwahn eben. Ich vermute fast ein Spiel in Richtung „Die Sims Online“. Das wäre doch das perfekte MMO für die breite Masse, wo man Abends mal ein Stündchen drin verbringen kann und was jeder verstehen sollte.

Danke, nein Danke. Ohne mich. Bobby hätte den guten Rat befolgen sollen: "Man kann vieles denken, aber nicht alles sagen"

Quelle: Golem.de

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+