Was mir an Cataclysm nicht gefällt Redux

So, das stand schon lange auf meiner "To-Blog" Liste. Yitu hatte in seinem Blog mein Posting "Was mir an Cataclysm nicht gefällt " zitiert und Stück für Stück beantwortet. Gleiches will ich nun auch tun.

Hier sei erwähnt, daß ich jede Form von Spielertypen respektiere und lediglich meine nerdige Sicht der Dinge wiedergebe.

Die eingerückten Kommentare sind die von Yitu. Also los gehts…

Das ist bei vielen MMOs die Regel. Du hast selbst auch einige MMO gespielt. Das Geschäftsmodell vieler Hersteller setzt auf die AddOns auf. Ich kenne kein bezahlt-MMO ohne solche AddOns. WoW hat hier für viele Jahre eine Ausnahme dargestellt. Du hast Recht, nun ists auch bei WoW die Regel.

Nimm z.B. EvE-Online, was seit Jahren ohne kostenpflichtiges AddOn auskommt. Hier werden die Erweiterungen kostenlos per Download eingespielt. Ferner gibt es nicht bei jedem größeren AddOn ein kompletten Item-Reset.
Ok, das Spielprinzip ist ein gänzlich anderes und ist nach hinten raus auch nicht so limitiert wie im klassischen, levelbasierten MMO. Dennoch kann ich heute, nach über 5 Jahren noch immer die gleiche Crow (Interceptor) fliegen wie damals. Wenn ich heute in WoW mein Perditions Blade in die Hand nehme, was ich nach Monaten des Farmens von Ragnaros bekommen habe, lachen mich die Leute doch aus. Ferner kann man in einer Raidgilde nicht einfach mal Pause machen, da man sonst nach ein oder zwei Instanzen den Item-Anschluss verliert und schlicht aussortiert wird.

Wieder… das ist auch für Dich nix Neues. Auch in Warhammer bist Du schon ca. RR 50. Was erwartest Du mit RR 80 in Warhammer? Bis dahin wirst Du auch noch in WAR noch 2 Mal Deine Ausrüstung wechseln. Und danach willst Du nie wieder eine Verbesserung erleben??? Das hattest Du auch nicht in Deiner Zeit bei EVE Online. Was ist dann Dein Ziel? 

Ich glaube hier liegt ein Missverständnis vor. Gear ist in meinen Augen nur Mittel zum Zweck. In WoW brauche ich Gear um in der Raid-Progression die nächste Stufe spielen zu können, da sonst die Heals zu klein, das Mana zu schnell leer, oder meine HP zu gering sind.

Ähnlich schaut es mit PVP-Gear in WoW, oder auch Warhammer aus. Ich brauche es um meinen Schadensoutput zu optimieren bzw. maximieren und dabei möglichst lange durchzuhalten, sprich hart zu werden.
Eigentlich mag ich genau diese Ausstattungsphase nicht. Lieber wäre ich irgendwann (möglichst schnell) damit fertig, damit ich mit dem eigentlichen anfangen kann: Raiden oder eben PvP. Raiden des Raidens wegen, weil ich gerne knifflige Encounter im Team besiege und der Emotionen wegen, wenn man es nach Wochen des Übens endlich geschafft hat.

PvP des PvPs wegen. Weil ich mich gerne mit anderen Spielern käbbel, teste wer die bessere Taktik hat, wer schneller reagieren kann usw. Was ich dabei gar nicht mag ist: Wer hat das bessere Gear erfarmt, was u.a. eines der Gründe war, warum ich seit der Einführung von Abhärtung kein (ambitioniertes) PvP mehr gemacht habe, da ich zeitlich nicht 5 Tage die Woche raiden kann und zusätzlich das ganze Set nochmals fürs PvP erfarmen soll bzw. muss, damit ich als Priester länger als 5 Sekunden überleben kann. Ich spiel schon viel, aber irgendwo muss auch Schluss sein.

Sei Froh. In Everquest kam für einige Jahre alle 6 Monate ein HighEnd-Raidcontent AddOn raus. 
Liegt es am Geld?

Sicher nicht. HighEnd Raidcontent klingt nice. Genau so was will ich. Was ich nicht will ist ein LowContent Itemreset AddOn, wo man erst mal wieder drölfzig Level grinden muss, nur um dann eine recyclete Instanz zu spielen, die vor 4 Jahren schon mal In war…

Schau dir als Beispiel noch mal EvE an: Der Content der da in jedem Addon rauskommt ist für HighSkilled (von den Skillpunkten her, nicht den Fähigkeiten) Spieler gemacht (Stichtwort Motherships z.B.). Sowas vermisse in WoW. Der neue Content ist nicht für das am Ende stehende Publikum, sondern für alle. Alle spielen natürlich den neuen Content, auch wenn viele den alten noch gar nicht durch haben.

Ist quasi so, als wenn man sich einen neunen EvE-Char machen würde und nach nen paar Wochen ein Mothership fliegen will. Das ist aber nicht so. Deswegen wird EvE auch immer ein Nischenprodukt bleiben, weil es schwer zugänglich ist und die belohnt, die schon ewig dabei sind. Aber dabei merkt man deutlich, das CCP es nicht nur aus Profitgier entwickelt; Ein Slogan der EvE-Defs war (zumindest damals) sinngemäß: "Wir programmieren ein Spiel, so wie wir es gerne spielen würden (und wollen) und lassen Euch dran teilhaben". Diesen Eindruck hatte man zumindest auch am Anfang bei WoW. Mittlerweile wird alles Cash-Optimiert, damit es aus der Nische für den breiten Markt interessant wird.

Früher… damals… als noch ALLES BESSER war. Da haben sich Casual-Spieler (Non-Raider) mit langweiligen Dailys die Zeit vertrieben. Doch auch diese Spieler wollten mehr – MEHR. Und Timed-Runs gab es das erste Mal… in Stratholm???
Aus kaufmännischer Sicht ist es also völlig OK wenn 90 % der Inhalte für alle Spieler zugänglich sind. Wenn auch in div. Modi. Und bei den ganzen Raidern / Nerd-Hardcore-Typen  wird Blizz ´nen Teufel tun und nicht wenigstens EIN Extra-Nerd-Hardcore-Pro-Raider-Dingens einbauen. Marke: Ultra-Hard.
Oder?

Ganz früher gab es keine Dailys 😉 Da musste ich mir noch mein Gold in Tyrs Hand mit Mobkloppen verdienen. Und wenn es diesen, von dir angesprochenen, Dungeon geben würde, fände ich es sehr nett, ja. Gibt es aber nicht. Außer durch Hard Modes gesteuert. Aber der Wiederspielwert einer Instanz sinkt deutlich, wenn man den Boss auf Normal schon besiegt hat und dann im Hard Mode angeht. Also gibt es diese Ultra Hard Instanzen in meinen Augen nicht mehr. Eben nur noch dieses Zugeständnis „Machs Dir hart, wenn Du’s so brauchst“ Ding, was mir gar nicht zusagt.
Sicherlich macht Blizzard aus wirtschaftlicher Sicht vieles, oder sogar alles richtig. Mir muss es aber dennoch nicht gefallen, oder?

Mal folgendes Beispiel: Es gibt Leute die fahren gerne eine Harley Davidson, weil sie wissen, das dieses Mopped ein Eigenleben hat. Es will gepflegt und gewartet werden, man kann daran rumschrauben und basteln und wenn man das alles getan hat, ist es das geilste Gefühl mit eben dieser Maschine rumzucruisen.

Und es gibt Leute die bestellen sich eine BMW von der Stange und fahren damit rum und sagen „Ich fahr auch Motorrad“. Solche Leute lass ich dann gerne in dem Glauben. Sollen sie „Motorrad fahren“, ich „erlebe Motorrad“.
Sprich ich fand WoW toll, weil es eine Harley war und kein Massenprodukt, was leicht zugänglich und von allen blind zu meistern war. Mittlerweile ist aber aus WoW ein Dreirad mit Stützrädern, Sturzhelm und Rückenprotektoren geworden. Man kann gar nichts mehr falsch machen und das Ding fährt noch immer weiter.
Sicher verkauft sich so was besser, ich will aber eine Harley, weswegen ich nun auch mit WoW aufgehört habe.

Wir haben damals auch Lady Vash und die Sternenburg (Name schon vergessen… Die Schiffe der Elfen…) geschafft. Aber… von dem kurzen Glücksmoment abgesehen…? Was dann?
Wieder "First-Kill"?

Klar, nächste Instanz, neue, innovative Encounter, den das war es, was WoW bekannt gemacht hat. Hat schon mal wer gesagt oder gehört: „Schau mal, dass ist der Daily-Quester, der hier immer questet“? Nein, wenn geht es eher in die Richtung „Das ist der Pala der Raidgilde XY, schau mal den Legendären Kolben an, woher hat der den?“
Auf so was achten Spieler, aus so was entstehen nicht selten Dynamiken. Klar, die meisten Spieler zocken die Instanzen wegen dem Loot, daran hab ich mich selbst mittlerweile gewöhnt. Mir würde der Firstkill reichen. Ich war schon immer ein Typ, der sich sehr geärgert hat, wenn ich bei Firstkills nicht dabei war. Ich setze lieber bei Farmruns aus, solange ich den Boss üben und dann erstmalig besiegen kann.

Da stimme ich Dir voll zu. Die sozialen Gemeinschaften der 40er Raids wurde nach BWL / AQ40 / Nekro-Dingens zerböselt. Zum Glück zogen wir damals passend auf nen anderen Server und fanden eine Trümmertruppe, die sich als 25er Raid neu Formierte. Damit konnten wir als Zeitzeitraider 2* die Woche mitziehen. Als es dann 3-4 * die Woche sein sollte um den Schwarzen Tempel usw. zu schaffen passten wir. Gesehen hätten WIR den Content auch gern…

Bleibt die Frage „WARUM?“ ändert Blizzard jedes Addon die Regeln? Um das Spiel noch zugänglicher zumachen. Das sie damit evtl. Leute verprellen die das Spiel so gut fanden wie es war, interessiert nicht, da sie für jeden der aufhört anscheinend 2 neue Spieler gewinnen.

Stimmt. Und das wird viele Langzeitspielertruppen zerreisen. Wieder. So wie bei 40 zu 25. Schade. Die Gildenlevel-Idee gab es in EQ schon vor dem Relase von WoW. Schlecht geplant – oder zum Start "Reduce to the Max?"

Ich denke am Anfang war WoW ein Produkt was Spaß machen sollte. Keiner hätte damit gerechnet das es so erfolgreich sein wird. Nun wird aus „Spaß“ Business, denn damit lässt sich Geld verdienen. Also wird an allen Ecken und Kanten versucht zu optimieren, damit jeder das Produkt toll findet und jeder es spielen kann.

Mal im Ernst: Ich habe am Ende der Raidzeit mit Excel-Tabellen meinen Max-Dam ausgerechnet usw. Die Mehrzahl der Spieler möchte einfach InGame Spielen und keinen Doktor MD (MaxDPS) machen. Die Zusatzattribute sollten doch nicht die Hauptattribute ersetzen, oder? (WAR fängt jetzt auch mit dieser Unsitte an…)Das kann man doch sicher auch mit Basisattributen erreichen, oder?

Das war übrigens einer der Aspekte, warum ich WoW so geliebt habe. Ich spiele Schach, weil es komplex ist. Wenn ich Halma spielen wollte, würde ich es spielen. Nun wird aus WoW Halma gemacht und die Leute fragen mich „Warum magst Du denn kein Schach mehr“? Ja weil es mittlerweile belangloses Halma geworden ist und das nur, weil man eben mit Halma mehr Geld verdienen kann, weil es leichter zugänglich ist und es jeder versteht. Und das ist meinen Augen ein Verkauf der Ideale für Profit.

Demnächst werden auch allen Adventures gleich die Komplettlösungen mit in die Packung gelegt, da es ja sonst evtl. Käufer gibt, die Monkey Island 6 nicht durchspielen könnten. 😉

Lange Rede kurzer Sinn: Ich verstehe Blizzard und warum sie so handeln (lange genug BWL studiert), ich würde wahrscheinlich das selbe versuchen um Reich zu werden. Aber mögen tu ich es dennoch nicht, da sie damit eines der besten Spiele aller Zeiten (in meinen Augen) total kaputt machen.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+