WoW Sensationsjournalismus vs. fundierte Theorycraft

Durch einige Kommentare, besonders den von Cawti, wurde ich mehr oder minder zu diesem Beitrag inspiriert.

Generell scheint der Trend auf diversen Seiten (MMO-Champion, EJ Forum, World of Raids) weg von fundierter WoW Theorycraft und Bossguides hin zu WoW Sensationsjournalismus zu gehen, bei dem es um Loots, Legendarys und T10 Sets geht. Eine Tatsache die (leider) auch hier in meinem Blog nicht von der Hand zu weisen ist.

Doch warum ist das so?
Um die Antwort verkürzt vorweg zunehmen: World of Warcraft ist kein Spiel mehr, es ist Business.
Sowohl für Blizzard, als auch für die Seiten die darüber berichten.

Früher waren die o.g. Seiten in der Szene bekannt für qualitative Berichterstattung und Anlaufstellen für Theorycraft und Boss-Taktiken und Guides. Mittlerweile jedoch, wird meistens nur noch Data-Mining betrieben, in dem es darum geht als erster über Drops und Loots aus künftigen Instanzen zu berichten.

Sich als fundierte Seite zu etablieren ist ehrlich gesagt verdammt schwer. Gerade am Anfang habe ich selber sehr viel Theorycraft und Guides geschrieben, nur mit der Erkenntnis, das es a) sehr lange dauert, bis man so einen Artikel geschrieben hat b) diese Artikel kaum gesucht und gefunden werden und c) die Leute die ihn Lesen kaum Feedback geben.

Und nichts ist enttäuschender und frustrierender, als einen Tag an einen Beitrag rumzurechnen, der dann nur von 5 Leuten gelesen wird, von denen nicht einer mal was dazu sagt.

Schreibt man allerdings über Loots, T10 Sets oder Legendarys des künftigen Patches, schnellen die Besucherzahlen in die Höhe. Und was freut einen mehr, als stetig wachsende Besucherzahlen? Zumal Seiten wie MMO-Champion mittlerweile dicke Werbeverträge mit MLG (Major League Gaming) haben, die es nur gibt, wenn die Seite eine gewisse Anzahl an Views per Month aufweisen kann.

Immerhin gehört MMO-Champion zu den 1500 meistbesuchtesten Seiten weltweit. Zumindest nach Alexa. Logisch also, das man daraus versucht Kohle zu ziehen. Nicht wenige mir bekannte Blogger wagen den Sprung in die Selbstständigkeit, da sich wirklich Geld damit verdienen lässt.

Ich selbst kann mich davon ja nicht mal selber ausschließen. Denn seitdem ich eben auch diesen WoW- Sensationsjournalismus betreibe, bekomme ich plötzlich Anfragen von Firmen die bei mir werben möchten. Dieses ermöglicht mir z.B. ab Morgen die Seite relativ werbefrei zu präsentieren.

Wie so oft sind es also einfach die Zahlen die zählen, nicht die Qualität an sich. Nicht umsonst hat Blizzard sein MMO massentauglich generft. Und genauso versuchen nun die Autoren der Seiten sich auf das breite Publikum einzustellen und nicht nur auf die 1000 Nerds aus den Top 10 Gilden. ´Nuff said.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+