Ensidia Mitglieder gebannt?

Vorhin hatte ich erst einen Post zum Thema Ensidia Firstkill an Arthas abgeschickt. Nun scheint es wohl so zu sein, dass alle am Kill beteiligten Mitglieder einen temporären Bann von 3 Tagen erhalten haben. Eine Bestätigung hierfür gibt es bis dato noch nicht, im MMO Champion Forum wird lediglich ein Blog eines Members verlinkt, nur ist die Seite nicht mehr erreichbar.

Mutmaßlich hat der Raid den Bug während der Tries bemerkt (er tauchte wohl nur im 25er auf) und ihn, anstatt ihn zu melden, sich entschlossen, ihn weiterzunutzen. Es kann gut sein, dass diese Absprache via Ingame Chat erfolgte (Nihilum hat früher zumindest ohne Voice Coms geraidet, das hat sich zwar geändert, aber man kann auf den Videos immer noch erkennen, dass der Haufen ziemlich mundfaul zu sein scheint). Damit wäre es für Blizzard ein Leichtes gewesen, dies nachzuvollziehen und somit auch mit dem Bannhammer zuzuschlagen. Ein ähnliches Schicksal hat ja bereits die Gilde Exodus ereilt, die den vorgeblich 1. Yogg Saron Kill ohne Watcher (Alone in the Dark)  erzielte, nur dass man dann feststellen mußte, dass sämtliche in P3 spawnende Wächter evaded wurden.

Im Endeffekt ist die Diskussion um die Frage, was erlaubt ist im Rennen um Firstkills keine Neue. Ich erinnere mich noch an Blackwing Lair oder der berühmt berüchtigte Disput, ob ein Warrior Tank am Caster Twin in AQ ein Exploit war – bei letzter Gelegenheit gab es dann gleich auch Gilden, die Wallbugging betrieben haben und den Tank so an der Wand positioniert haben, dass verschiedene Bossfähigkeiten nicht mehr auslösten. Oder man erinnere sich an den C’thun Exploit von Overrated, um den Boss ohne die vorherige Instanz zu säubern, farmen zu können. Der passende Spruch dazu: „Playing legit is overrated.“ Aus meiner Sicht kann jedenfalls kein Ruhm im Sinne von Reputation, Efame oder ähnliches darin entstehen, dass man einen Encounter in einer Art und Weise legt, die definitiv nicht vorgesehen ist. Natürlich sind die Linien hier nicht immer klar. Manchmal sind Taktiken einfach innovativ oder so umständlich, dass sie den Encounter zwar an sich erschweren, aber dennoch auf eine Art und Weise killbar machen, an die die Devs nicht gedacht haben. Man sieht dies immer gut in der ersten Woche, wenn noch nicht dutzende Videos draußen sind, wie ideenreich manche Gilden sind und wie sehr andere Gilden versuchen, jeden Boss in ein Schema zu pressen, das der Gilde liegt. Noch krasser wird dies teilweise bei den Achievements, die solche Sonderkonditionen vorschreiben, dass man hier besonders tricksen muss.

Ein gutes aktuelles Beispiel ist der gefixte Saurfang. Gängige Taktik gerade in Random Raids war, das erste Mark sterben zu lassen. Man verlor zwar so einen Spieler, aber die Runepower Kurve, die der Mob hat (und die exponentiell verläuft) verschiebt sich massiv, so dass der Raid mehr Zeit hat, bevor die Softenrage Mechanik greift. Man mag das als Lame empfinden. Aber es war definitiv eine legitime Taktik.  Andere Beispiele aus der frühen WotLK Zeit: Watch him die mit Kamikaze Heiler Taktik (Heiler zieht weit hinten im Gang Aggro, Tank und 3 DDs hauen den Boss um, während die drei Wächter Packs zum Heiler rennen und wieder zurück. Danach Wipe. Legitim, weil das Achivement keinen Kill von Wächtergruppen und Boss vorsehen? Auch mit Evade Mechaniken konnte man damals arbeiten. Beispiel Kohlrabi: man pullt den Mob, läßt ihn verwandeln und rennt dann, bis auf eine Klasse, die die Aggro resetten kann (Rogue/Hunter/Mage) aus der Instanz. Der Mob rennt in humanoider Form die Rampe wieder runter, aber mit niedriger HP. Besagter DDler plus die hereinlaufenden restlichen Gruppenmitglieder versuchen dann möglichst schnell die HP wegzuhauen, bevor der Mob auf Ausgangsposition steht und wieder volle HP hat. Ist das Legit? Wohl eher nicht, weil man die Evademechanik bzw deren Merkwürdigkeiten ausnutzt.

Manch einer wird nun Blizzard die Schuld geben. Aber wie zum Teufel sollen ein paar Tester auf dieselbe Ideenmenge kommen wie 10 Millionen bekloppte Spieler. Es wird ergo immer Exploits und exploitnahe Aktionen von Spielern geben. Teilweise aus Unwissenheit, teilweise aus Experimentierfreude, teilweise um eben etwas zu schaffen, was man sonst nicht schafft.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+