Mortal Online – Open Beta und Release Datum im März

Seit einiger Zeit verfolge ich schon das MMO Projekt des schwedischen Herstellers Star Vault. Denn die beworbenen Features rund um Mortal Online klangen allesamt recht vielversprechend: Erwachsenes Setting, lootbare Player im PVP und Bosse, die tatsächlich nur einmal existieren. Wenn man die Bosse also besiegt und gelootet hat, sind sie weg und respawnen nicht mehr. So ist es möglich einzigartige Ausrüstung zu erbeuten, die dann wirklich die Bezeichnung „einzigartig“ verdient. Es sei denn, man verliert eben diese Ausrüstung, wenn man im PVP mal nicht siegreich aus einem Duell hervorgeht.

Seit Anfang des Monats ist das Spiel Mortal Online in die Open Beta Phase gegangen und ich habe die Zeit am Wochenende mal genutzt um einen Blick in eben diese Open Beta zu werfen. Mortal Online ist dabei nicht, wie viele andere MMO-Vertreter level-basierend, sondern ein Vertreter des sogenannten Sand-Box Genres, deren bekanntesten Vertreter Ultima Online oder Eve-Online sind. Was genau bedeutet nun Sand-Box? Dem Spieler wird der Weg im Spiel nicht duch Quests vorgeschrieben, viel eher kann man das Ganze als „Open World“ Konzept beschreiben, wo Spieler das tun können, wozu sie gerade lustig sind. Das schafft Freiheit, birgt aber auch die Gefahr der Langweile, gerade für Spieler die nicht aktiv am Spielgeschehen teilnehmen wollen und sich lieber durch Quests unterhalten lassen. Denn anders als bei WoW oder Aion wird man nicht direkt zu Beginn einen Questgeber vorfinden, der einem die Spielwelt näher bringt. Dazu aber gleich mehr.

Wie so oft, muss man sich zunächst aber den Mortal Online Client herunterladen, der knappe 3GB gross ist. Das ganze gestaltet sich recht zügig, da der Downloader auf die Torrent-Technologie zurück greift. So konnte ich auf die gesamte Bandbreite meines 16MBit Anschlusses zugreifen und das Spiel in sehr kurzer Zeit herunterladen. Anschließend muss man sich lediglich noch für Mortal Online registrieren, denn der Mortal Online Forenaccount ist in der Open Beta gleichbedeutend mit dem Spiel-Account. Ein spezieller Game-Key, oder eine PreOrder des kompletten Spieles, ist also nicht von Nöten. Somit handelt es sich bei Mortal Online um eine Open Beta, die den Namen auch verdient.

Um das Spiel jedoch starten zu können, musste ich zunächst noch ein paar Treiber aktualisieren, da das Spiel dank Unreal 3 Engine auf neuste Komponenten aufbaut. Neben der neusten DirektX Version, verlangte das Spiel auch noch die neusten Nvidia und PhysX Treiber, die selbst nötig sind, wenn man Besitzer einer aktuellen ATI Grafikkarte ist. Anschließend startete Mortal Online dann allerdings problemlos und ich konnte mit der Charaktererstellung beginnen.

Hier standen insgesamt 4 Völker zur Auswahl: Die Oghmir, die Alvarin, die Human und die Halfbreed, wonach man sich dann noch für eine Rasse des jeweiligen Volkes entscheiden muss. Leider fehlen in der Mortal Online Beta derzeit noch die Beschreibungen sowohl zu Volk als auch zu Rasse, so dass man rein nach der Optik entscheiden muss, wie später die Spielfigur aussehen soll. Ob die Auswahl mit verschiedenen Attributen behaftet ist, geht aus der Charaktererstellung derzeit leider noch nicht klar hervor. Ich habe mich für eine weibliche Menschenfrau entschieden. Hier wird sehr schnell deutlich, warum das Spiel klar an Erwachsene gerichtet ist: Denn der Spieler ist zu Beginn nackt, und nackt heisst nicht wie bei Age of Conan nur oben rum, so dass man nur die Brüste des Charakters sieht, sondern komplett nackt ohne String. Sprich das Spiel bietet in allen Bereichen tiefe Einblicke. Bei männlichen Vertreten erkennt man übrigens auch das Glied. Hier findet also keine Zensur statt. Allerdings kann man sich im Spiel direkt nicht selber ansehen, da das MMO komplett in der Ego-Perspektive gespielt wird. Also ein FPS-MMO.

Anschließend könnt ihr noch ein wenig euer neues Alter-Ego anpassen, allerdings nur den Bereich des Kopfes. Körper und Figur sind zumindest in der Beta nicht veränderbar. Abschließend müsst ihr eurem Charakter noch ein Boost in den Startattributen verpassen. Denn aufgrund des Sand-Box Prinzips ist das Gameplay von Mortal Online ein gänzlich anderes: Um Fähigkeiten zu lernen oder zu verbessern, müsst ihr Tätigkeiten ausüben. Sprich wer viel Holz hackt wird stärker, wodurch er schneller und besser Holz hacken kann, wer viel liest, wird inteligenter usw. Das ganze klingt interessant, erfordert aber aktives Spielen und läd geradezu zu botting ein. Denn wer hat schon Lust 12 Stunden am Stück Holz zu hacken? Hier befürchte ich, dass die Schere zwischen Nerds und Casuals sehr schnell drastisch auseinander klaffen wird, sofern sich Star Vault nicht eine Begrenzung überlegt, da Vielspieler klar im Vorteil sein werden.

Anschließend kann man die Spielwelt endlich betreten. Wie Eingangs schon gesagt, hier wartet kein erster Questgeber, der den Spieler unterstützend an die Hand nimmt. Man ist von der ersten Sekunde auf sich allein gestellt. In den Städten genießt man zwar den Schutz der Wachen, außerhalb dieser befästigten Anlagen jedoch ist man aber Freiwild. Was man ab diesem Punkt unternehmen will, ist dem Spieler also selbst überlassen. Erwähneswert ist ebenfalls, dass es keine Karte oder Minimap in Mortal Online gibt. Sprich die Navigation ist Sache des Spielers. Das verstärkt den Erkundungscharakter des Open World Prinzips, führt MMO-Neulinge aber schnell in die Irre. Gerade in der finsteren Nacht des Tag/Nacht Zyklusses ist man ohne Fackel quasi nicht im Stande die Hand vor Augen erkennen zu können.

Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Steuerung: Da man seinen Charakter aufgrund der FPS-Sicht niemals sieht, weiß man auch nicht so direkt, was man gerade anvisiert. Zwar kann man mit dem Drücken und Halten der Tab-Taste ein Fadenkreuz einblenden, was meiner Meinung nach die Steuerung aber nur verkompliziert. Ferner kann man nicht gleichzeitig den Charakter und den Mauszeiger bewegen. Es gibt zwar einen sogennanten Maus-Mode, den man via Taste Z aktivieren kann, hier lässt sich dann aber die Figur nicht steuern. Sprich Taschen sortieren, Dinge anklicken usw. erfodert immer eine Aktivierung des Maus-Mode, denn man anschließend wieder verlassen muss, wenn man weiterlaufen möchte.

Neben ettlichen Grafik-Fehlern, hatte das Spiel auch heftige De-Sync Probleme, die angeblich mit dem nächsten Patch, der Morgen rauskommen soll, behoben werden. So kam es nicht selten vor, das Spieler in der Luft schwebten, im Boden versanken oder in Häusern steckten. Insgesamt sah die Grafik, die ja immerhin auf der Unreal 3 Engine basiert, recht unspektakulär, wenn nicht sogar unfertig aus. Zwar konnte man auf Wiesen, wo sich das Gras im Wind bewegte, erahnen, wozu die Engine im stande ist, aber im eigentlichen Spielbetrieb war davon nicht viel zu erkennen.

Wenn das, was ich gesehen habe den Stand einer Early Alpha gehabt hätte, würde ich dem Spiel eine gute Zukunft bescheinigen. Da es sich allerdings bereits um die Open Beta handelt und Star Vault bereits ein offizielles Mortal Online Release im März angekündigt hat, bin ich ein wenig skeptisch. Hier wird der Spieler dann wieder die Rolle des Beta Testers übernehmen, was wohl wirklich der Trend zu werden scheint, wenn Entwickler und Publisher langsam in Geldnot geraden und demnach ein Release nicht mehr nach hinten verschieben können.

Ich rate daher allen Interessenten dringend noch vorher einen Blick in die Mortal Online Open Beta zu werfen, bevor ihr das Spiel preordert. Denn derzeit eignet sich das Spiel meiner Meinung nach nur für Hardcore MMO-Fans, Nerds und MMO-Puristen, die in den durchgestylten und casualfreundlichen MMOs dieser Welt keine Herausforderung mehr finden. Für alle anderen dürfte sich Mortal Online derzeit nicht eigenen. Mag sein, dass es in ein paar Jahren anders aussehen wird, denn auch Eve-Online hat sich vom Hardcore Sand-Box Nischen-MMO immer weiter entwickelt, um einen breiteren Markt ansprechen zu können.

Ein aktuelles Gameplay Video aus der Mortal Online Beta findet ihr hier:
Mortal Online Beta Gamplay Video

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+