Cataclysm: Streitthema neue Talentbäume – Hop oder Flop

Sleth hat ja gestern bereits Stellung zu diesem Thema genommen. Anstatt nun auch die Kommentarfunktion zu nutzen möchte ich meine Gedanken auch nocheinmal in einem Artikel darlegen.

Um es vorwegzunehmen, ich sehe die neuen Bäume sehr zwiespältig. Warum? Weil es neben den negativen Seiten der neuen Talentbäume, die Sleth schon angesprochen hat, auch durchaus positive Seiten gibt.

Es ist ganz offenkundig, dass Blizzard gerade in dem Bereich, der für Neukunden interessant ist, aktiv ist. Das wird durch die Überarbeitung der kompletten Questen bis 60 deutlich, dadurch, dass es nun mehr Rassen/Klassenkombinationen gibt und auch dadurch, dass man sich entschieden hat, zwar zwei neue Rassen, nicht aber neue Klassen einzuführen. In der Vergangenheit hat Blizzard bereits mehrfach an den Startcharakteren rumgedreht, bspw den Zauberstab bei Castern entfernt, den Manaverbrauch angepaßt etc.

In diesem Zusammenhang sind die neuen Bäume der große Wurf: ein Charakter ist nunmehr schon mit Level 10 mit den grundlegenden Fähigkeiten seiner Spec ausgestattet und erlangt lediglich mehr Tiefe durch das Leveln. Hand aufs Herz: jeder, der schon mehrere Charaktere hochgelevelt hat, weiß wie blöd sich das teilweise anfangs anfühlte, wenn man nur Autoattack hatte. In dieser Hinsicht ist die Entschlackung, vor allem aber die Bereitstellung von bestimmten Fähigkeiten zu einem sehr frühen Zeitpunkt nur als positiv zu erachten.

Ferner: es ist absolut ok, dass bestimmte Fähigkeiten verschwinden. Dass damit auch mitunter Nerfs einhergehen, geschenkt. Denn einige Talente sind wirklich Platzverschwendung im Baum. Grad die passiven Talente, die im Endeffekt doch jeder hat, kann man auch spielend wieder durchs Encounterbalancing abfangen. Bei den Tanks kommt der angenehme Effekt dazu, dass die Basis Avoidance etwas sinkt, was in Hinblick auf das Balancing von späteren Tiers sicherlich hilfreich ist.

Allerdings: mit dieser Entschlackung sterben wirklich alle Hybrid Builds. Ein gutes Beispiel ist der Solo Fury/Prot Build, den ich momentan mit meinem Warri austestet – auch weil ich an einem Ironman Artikel für MMORE sitze. Die Spec ist keinesfalls overpowered oder sinnlos, sondern eben ein Nischenbuild für Krieger, die nicht drei Jahre lang spezielle Ausrüstung farmen wollen, um dann das gleiche zu können, was jeder DK mit Defgear kann (Mounts farmen etc)., Die Aussage von Blizzard, man wolle quasi nicht, dass Spieler auf das Endtalent verzichten ist da in meinen Augen eher ein Feigenblatt: letztendlich ist es die Verantwortung der Designer, dafür zu sorgen, dass das Endtalent so stark ist, dass man es haben will. Alternativ hätte auch die Mastery an sich schon dafür gesorgt, dass alle Mainstream Builds sich die 51 Punkte für den Hauptbaum gegeben hätten.

Ferner: Entschlackung ist positiv. Aber anstatt den freigewordenen Raum für mehr spannende Talente zu nutzen, werden nun die Talente so zusammengestutzt, dass man eigentlich keine Talente mehr wählt, sondern einen Tree als Template, aus dem man sich dann 3-5 Punkte rausspart um sie in einen anderen Baum zu legen. Mit anderen Worten: es ist nicht nur nahezu unmöglich, sich zu verskillen. Es ist auch absolut unmöglich, individuelle Skillungen zu bauen. Mag sein, dass es das im PVE eher selten gab (wobei ich beispielsweise irgendwann mir dochmal das verbesserte Ankh zugelegt hab, ebenso wie ich das Stoneskin Totem für den Lichking via Guardian Totems verstärke, was ich früher nicht gemacht habe).

Und grad im PVP gab es eben schon diverse Survival/Utility Talente, die nun rausfallen oder die man automatisch hat und wo man früher durch die freie Wahl die Spec dem Spielstil anpassen konnte. Es ist bezeichnend, dass nunmehr die D2 Talentbäume wesentlich mehr Möglichkeiten geben als die WoW Trees.

Wenn ich das alles so Revue passieren lasse, dann kann ich nur sagen, dass manche Ideen zwar nicht schlecht sind, aber letztendlich mal wieder Player Choices eingeengt werden, um das Spiel zu vereinfachen, sei es, um das Balancing zu erleichtern, sei es um Anfängern den Einstieg zu versüßen.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+