Eve Online: The Blob

Wenn ein Eve Spieler vom Blob redet, dann meint er das, was in anderen Spielen oft der Zerg ist: ein Haufen Spieler, die nur durch ihre Zahl das Geschehen im PvP bestimmen. Und doch hat es in Eve oft eine etwas andere Qualität, weil es darum geht, dass die Gruppen dort oft organisierter vorgehen als der klassische MMO Zerg, der sich gerade dadurch auszeichnet, dass er vom Raid/Warband/Gruppenleader nur mit Mühe und Not in eine Richtung kanalisiert werden kann.

Oft kommt es beispielsweise dazu, dass man jemanden baitet mit einem einzelnen oder wenigen kleineren Schiffen und dann, wenn der Gegner anbeißt, mit allem in den Kampf springt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Der Gegner beklagt sich dann oft darüber, dass man mit solcher Überzahlt angreift, nennt einen verachtlich Blobber und flamet möglicherweise auch noch in den Foren über einen, denn Blob = kein Skill.

In meinen Augen greift das viel zu kurz. Zum einen gibt es gerade in Eve viele unterschiedliche Situationen, in denen das einfach nur bigott ist, sich über Blobbing aufzuregen. Das beste Beispiel wäre in dem Fall das Baitings, dass ein einzelnes BS in ein Gatecamp springt und wartet, dass die Gegner aggressen, also selber nicht mehr sofort durch das Gate abhauen können. Danach folgt die Hauptgruppe auf konventionellen Wege oder per Titanbridge. Die Camper werden natürlich vernichtet und regen sich nun auf. Aber was haben Sie anfangs getan? Sie haben einen einzelnen, den sie als leichtes Opfer angesehen haben, in Überzahl angegriffen. Mit anderern Worten: sie bekommen nur ihre eigene Medizin verabreicht.

Das soll nicht bedeuten, dass ich Gatecamper als feige Bande ansehe, im Gegenteil, auch die suchen letztendlich die Form des PvP, die ihnen genehm ist und die durchaus im Rahmen des Regelwerks stehen.

Ferner muss man ganz klar sagen, dass jedes Massen PvP Game, das diese Bezeichnung zu Recht trägt, per definitionem auch darauf ausgelegt ist, dass eben in der Masse der Erfolg winkt. Natürlich ist das nicht immer besonders anspruchsvoll für den Einzelnen, weil dieser faktisch nur das Ziel aufschalten und F1 drücken muss. Aber darum geht es nicht. Wer künstliche Konditionen wie Skill im PvP einführt oder das Soloroamen als Krone des PvP ansieht, der muss damit leben, dass in einer freien Welt wie Eve einige Leute unterwegs sind, die anderer Meinung sind und diese auch ausleben. Beispielsweise, indem sie den Solokünstler abschlachten.

Ein anderer Punkt ist: wenn ich als FC eine gegnerische Gang finde, die 20 % weniger Mitglieder hat, sage ich dann X,Y und Z, sorry, wir müssen uns anpassen, bleibt mal zu Hause? Wer das als FC zweimal macht, wird Probleme haben, überhaupt noch jemanden zu finden, der mit ihm fliegt. Zudem ist es ja in Eve auch nicht so, dass man einfach nur Zahlen vergleichen kann. Fits, Skills, Gangkonzepte und ähnliche Dinge spielen mindestens ebenso eine Rolle. Natürlich gibt es so Sachen, die totaler Overkill sind. Und natürlich gibt es Situationen, wo man sich fragt, warum der Gegner nicht rauskommt, obwohl er einem überlegen ist. Oder dass man nach der Niederlage sich auch noch dumme Sprüche anhören muss.

Was will ich also damit sagen? Im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass Eve zwar jedem die Option einräumt, das Spiel so zu spielen, wie er es gerne möchte. Aber diese Option findet eben da seine Grenze, wo ihn anderen daran hindern, das zu tun, was man will. Wer damit nicht klar kommt, der spielt, ehrlich gesagt, das falsche Spiel. Denn am Ende gilt der alte Spruch: dem Sieger die Beute.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+