PS3: R.U.S.E. mit Playstation Move – Ubisoft’s Strategiespiel im Test

Bereits auf der GamesCom hatten wir ersten Kontakt zum neuen Playstation Move, was mit Microsofts Kinect schwere Zeiten für Nintendos „Zappelkonsole“ Wii einläuten wird. Die direkt am Anfang erschienenen Sportspiele waren aber insgesamt recht uninteressant, da man selbige schon zu Hauf eben auf der Wii gesehen und gespielt hat. Erstes interessantes Spiel mit Move Unterstützung, neben Heavy Rain, was nun für die Playstation 3 erschienen ist, kommt aus dem Hause Ubisoft, vom französischen Entwickler „Eugen Systems“: RUSE.

Moment? Ein Strategiespiel auf der Playstation 3? Das kann ja nicht funktionieren.
Der Meinung waren wir auch. Jeder der Command & Conquer mal auf der Konsole gespielt hat weiß: Irgendwie lassen sich Strategiespiele mit dem PS3 Controller nicht so gut bedienen, wie mit der Maus. Ein Grund mehr uns RUSE in Verbindung mit der neueren Steuerungsmöglichkeit, dem Move Controller, einmal näher anzusehen.

RUSE – Die Fakten
RUSE ist ein waschechtes Strategiespiel. Wer allerdings rasante RTS-Action eines Starcraft 2 erwartet, ist bei RUSE an der falschen Adresse. Eher gemächlich muss man seine Einheiten in Position bringen, Geländegegebenheiten dabei zum Vorteil nutzen, seine Basis aufbauen und Einheiten nachproduzieren. Das Ganze erinnert dabei ein wenig an die guten alten History Line oder Battle Isle Titel, auch wenn RUSE nicht rundenbasierend ist.
Bei RUSE ist das „Stein, Schere, Papier“ Prinzip noch viel ausgeprägter als z.B. bei Starcraft 2: So können Panzer der Marke „Panzerknacker“ tatsächlich nur auf, wen wundert’s, Panzer schießen. Werden sie von einem Trupp Infanterie aus dem Wald überrumpelt, fliegen die Kolosse sehr schnell in die Luft. Hier ist Geleitschutz durch eigene Infanterie angesagt. Es ist wirklich eine gute Einheiten-Komposition und Stellungsspiel gefragt. Wer seine FLAKs oder Haubitzen an die Spitze der Front verlegt, muss sich nicht wundern, wenn die Einheiten dort nicht lange überleben. Also nach hinten mit ihnen und Infanterie und Panzer davor!

Woher kommen die Einheiten? Der Basisbau
Etwas rudimentär fällt der Basenbau in RUSE aus. Zunächst muss man sich ums Geld kümmern, um überhaupt etwas bauen zu können. Hierfür errichtet man Handelslinien zwischen Depots und dem HQ, zwischen denen dann regelmäßig LKWs Waren hin und her fahren, was natürlich die benötigen Dollars in die Kassen spült. Doch Vorsicht: Diese Handelsrouten werden nicht selten vom Gegner angegriffen. Die Sicherung der Handelsrouten liegt also auch ganz bei Ihnen.
Danach kann man dann mit der Truppenproduktion beginnen. Jeder Einheitentyp wird in einer separaten Fabrik gebaut: Infanterie, Panzer, Panzerabwehr, Artillerie, Flugzeuge und sündhaft teure Experimentalwaffen.

Listiges Spiel
Etwas das bei RUSE sofort beim Spielen ins Auge sticht, ist das Fehlen des „Fog of War“, also der Nebel des Krieges. Man sieht direkt zu Beginn die Standorte der gegnerischen Einheiten. Man weiß zwar nicht genau um welchen Typ es sich handelt, aber an der Größe der Punkte lässt sich erahnen, ob es kleines Fußvolk, oder eher dicke Panzer sind. Hier kommen die Listen bei RUSE ins Spiel: Durch Spione kann man die Einheiten auskundschaften, durch Dekodieren des Funkverkehrs kann man die geplanten Bewegungen erkennen und selber seine Bewegungen und Einheiten durch Funkstille tarnen. Ebenso kann man den Gegner mit Scheinangriffen verwirren und auf die falsche Flanke locken, um von der anderen dann zuzuschlagen. Gerade diese Listen verleihen RUSE eine enorme taktische Tiefe.

Die Steuerung von RUSE mit Playstation MOVE
Neben dem Playstation Move Motion Controller benötigt man noch den Move Navigation Controller. Allerdings tut es für die linke Hand auch ein normales Gamepad, da man hier nur die Taste L2 zur schnellen Einheiten-Auswahl und das Navi-Kreuz zum Verschieben des Bildausschnittes auf der Karte benötigt. Der Rest wird über den Move Motion Controller gesteuert.
Durch die Produktionsmenüs (zu öffnen mit Dreieck) und über die Karte navigiert man im wahrsten Sinne des Wortes per Handbewegung. Das Ganze funktioniert schnell und präzise, die Kalibrierung des Move-Controllers zu Beginn ist erfreulich kurz. Selbst auf einer 3m Diagonale lässt sich RUSE ohne Ermüdungserscheinungen stundenlang mit dem Move Controller bedienen. Rein, Raus-Zoomen, Einheiten aus den Produktionsmenüs bauen, Listen auswählen und Truppen verschieben, alles per Handbewegung. Einziger Wehmutstropfen: Richtet man den Controller nicht auf die Kamera, etwa wenn man mal kurz ein Foto schießen möchte oder an der Zigarette ziehen will, pausiert das Spiel gleich und fordert uns auf, den Controller doch bitte wieder auf die Cam zu richten. Das ist unnötig und nervig.

Das Fazit
Strategiespiele auf der Konsole? Und es funktioniert doch! Dank Move ist die Steuerung von RUSE verdammt nah an der Maussteuerung. Eine richtige Maus haben wir uns nur an sehr wenigen Stellen gewünscht. RUSE selber ist ein tolles Strategiespiel, was den Spieler richtig fordert, dabei aber niemals überfordert. Die Lernkurve in der Kampagne steigt stetig, aber nicht zu steil, an, um den Nachwuchs-General auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Einzig die WW2 Story wirkt ein wenig abgedroschen, fällt aber mit 23 Single-Player-Missionen recht umfangreich aus. Wer also gerne taktiert, wenige Einheiten positioniert, um Stärken und Schwächen auszuspielen und mit plumpen Zerg-Rushs nichts anfangen kann und lieber auf Listen setzt, ist mit RUSE bestens beraten. Und dank Move sogar auf der Playstation 3!

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+