Eve Online: Killboards und ihre Aussagekraft

In den letzten Wochen kam bei uns in der Corp immer mal wieder Thema Killboard, Stats und Efficiency auf. Das Thema ist an sich viel vielschichtiger als man zunächst denkt. Aber zunächst die Erklärung, was ein Killboard überhaupt ist. Auf einem Killboard werden alle Abschüsse und Verluste eines Spielers, einer Corp oder Allianz vermerkt. Das geschieht entweder per API Pull oder manuell per Copy and Paste aus dem Combatlog im Charakterscreen. An der vom Killboard dann errechneten Anzahl der Abschüsse, aber auch an den Verlusten und den Effektivitätsverhältnissen wird dann oft eine Corp gemessen. Zumindest erlaubt es aber einen Blick darauf, wie welche Fittings geflogen werden und wieviele aktive Leute eine Entität hat.

Und damit ist schon die erste – unfreiwillige – Funktion der Killboards benannt: sie sind eine ungemein gute Intelquelle: wieviele Schiffe hat der Gegner, wo ist er aktiv, welche Fits fliegt er, welche Schwachstellen ergeben sich hieraus. Auch wenn das Killboard oft die jüngeren Kills und Verluste verschleiert, lassen sich hieraus auch Rückschlüsse auf Flottenbewegungen ziehen. Aus diesem und anderen Gründen sind einige Killboards nur für Eingeweihte zugänglich. Die überwiegende Mehrheit der Killboardinhaber läßt dieses aber offen für alle Besucher.

Denn natürlich ist ein Killboard auch ein Statussymbol. Es ist das erste, was sich eine Corp anschafft, zeitgleich mit einem Voiceserver. Viele einzelne Piloten betreiben ein privates Killboard. Und warum? weil sie natürlich auf ihre PvP Erfolge stolz sind. In vielen Corps und Allies gibt es mehr oder weniger freundschaftliche Rivalitäten zwischen Einzelpiloten oder Gruppen von Spielern.

Doch wie aussagekräftig ist das alles? Wer nur auf die Kills schaut, der sieht natürlich nicht die Verluste, die gemacht wurden, das ist klar. Aber auch das Verhältnis ist wenig aussagekräftig per se. Denn jemand, der nur in großen Gangs mitfliegt, der wird sehr viele Kills erzielen an einem Abend aber in der Regel maximal einen Verlust (es sei denn, er reshippt). Wer viele Kills ansammelt, in dem er Noobs aus Missions ballert, der muss ebenfalls kein guter PvPler sein (auch wenn das auch gute PvPler gerne mal als Gank machen). Ein Gegenbeispiel sind Piloten, die oft in Unterzahl kämpfen und entsprechend oft auch Schiffe verlieren. Andererseits erzielen sie Kills, die in der Regel sehr viel mehr Können erfordern als nur das Primary zu locken und F1 zu drücken.

Effiziente Corps sind häufig – nicht immer – jene, die nur kämpfen, wenn sie sicher sind, zu gewinnen. Das sollte man auch bedenken, wenn man etwa anhand des Killboards versucht, eine Auswahl für die nächste eigene Corp zu treffen. Andererseits sind Killboards, vor allem auch die Verlustmails und die Kommentierung dort ein gutes Indiz dafür, wie gut die Fittingvorgaben sind und wie gut sie eingehalten werden. Eine gute Corp wird wenige Failfits auf dem Board haben.

Für Corps/Allies gibt es noch weitere Tricks, das Killboard aufzumöbeln (auch Killboard padding genannt): man lasse einfach seine Mitglieder in fremden Gangs mitfliegen. Das Verlust Risiko beschränkt sich auch hier auf ein Schiff, aber alle Kills landen als Erfolg auf dem Killboard.

Support Piloten wie Logistics kommen oft nur mit Tricks auf die Killmails, wenn überhaupt. Noch krasser ist das für Scouts oder Commandship Piloten, die nichtmals auf dem Grid sind, wenn die Klopperei losgeht.

Andererseits sind auch Leute, die es besser wissen sollten, nicht vor Fehlurteilen gefeit: so wurde mir neulich erzählt, eine Rentercorp im Norden müsse ihre 1000 Kills im Monat vorweisen. Worauf diese prompt offline Possen abrissen und jedes Modul der Possen posteten. Aussagekraft hinsichtlich der PvP Qualitäten dieser Corp haben diese Mails jedenfalls nicht. Andererseits reicht es auch hier aus, wenn ein Mitglied der Corp zu jeder Aktion der Allianz/des Schutzherrn aufschlägt und fleißig ballert, während die restlichen 100 zu Hause die ISK scheffeln. Jeder mag selbst die Weisheit dieser Maßgabe beurteilen. Ich finds behämmert.

Was will ich mit alledem sagen: wie bei vielen Dingen statistischer Art ist auch ein Killboard nur dann aussagekräftig, wenn man es auch lesen kann. Ich kann aber auch nicht verleugnen, dass es einen gewissen sportlichen Anreiz hat, sich in den Topkiller Bereich reinzuballern.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+