Chains of Command – Standings und Fights

Ich möchte heute auf dem Blog eine neue Reihe starten. Anlass dafür ist meine „Beförderung“ zum Direktor auf Corp und Allianzebene, nachdem ich bis dato schon einige Aufgaben intern übernommen habe. Natürlich ist es heikel, als jemand, der Einfluss auf die Geschicke einer Ally hat, seine Gedanken in einem Blog offenzulegen. Zu schnell sind hieraus Rückschlüsse möglich auf das zukünftige Verhalten von Rooks and Kings und das ist natürlich von mir nicht gewollt. Dennoch kann man über bestimmte Dinge sprechen ohne gleich eine Staatskrise auszulösen. Gleichzeitig ist das eine Möglichkeit, den Lesern einmal Einblick in eine Form des Endgames zu geben, dass so nur wenige jemals sehen werden. Denn selbst ein Gildenleiter in einem anderen MMO hat selten so viele Dinge zu bedenken wie jemand in einer verantwortlichen Stellung in Eve. Denn in einer WoW Gilde etwa dreht sich dann doch 80 % der Arbeit darum, die Gruppe raidfähig zu halten, Leute zu rekrutieren und ggfs Unruheherde zu kontrollieren. Dazu halt die üblichen statischen Dinge, wie Webpage, DKP, Forum etc.

Zunächst aber mal ein paar Eckdaten zu Rooks and Kings, um einen Eindruck davon zu bekommen, in welchen Bereichen wir uns bewegen. Die Allianz hat momentan knapp über 400 Accounts unter ihrem Dach. Viele davon sind Alts, teilweise auch inaktive. Gegliedert ist sie momentan in Fairlight Corp (MELEE), Black-Wing, Guillotine Therapy und Excellence/Unicorn Enterprises. Die beiden letztgenannten Corps befinden sich noch in unserem alten Wirkungsbereich in Aridia und besteht nahezu ausschließlich aus Osteuropäern deren gemeinsamer Nenner die russische Sprache ist. Guillotine Therapy ist unser französischer Wing, unter dem Ticker KEEN zeichnen sie sich durch hohe Aktivität aus, die sich allerdings größtenteils auf Operation im Wormhole Space beschränkt, wo KEEN auch eine Basis unterhält. Black-Wing ist eine rein deutschprachige Corp, die zusammen mit MELEE aus Placid based. Diese beiden Corps stellen momentan die meisten Member bei den normalen Fleetops. Daneben gibt es noch einen Neuzugang mit The Institution, die primär aus Amis bestehen und ebenfalls in Vestouve/Placid leben.

Schon daraus kann man erkennen, dass es unterschiedliche Strömungen in der Ally gibt, die man unter einen Hut bekommen muß. Während beispielsweise Black-Wing gar keine Interessen in Aridia unterhält (schon alleine, weil sie erst später der Allianz beigetreten sind) haben die „Russen“ hier einige Freunde und Verbündete. Aber gerade diese Standings können erhebliche Probleme verursachen. Was passiert etwa, wenn man in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Freunde hat und diese dann auf einmal gegeneinander ziehen, möglicherweise unter Einschluss weiterer Parteien, die kein Standing zu uns haben? Gute Frage und eine Situation, die mir vor einigen Monaten untergekommen ist, als ich bereits ohne formelle Rollen einige Dinge erledigt habe. Sicherlich hätten wir von unserer Seite aus auf den Tisch hauen können, denn wir waren klar die größte Partei, die involviert war (außer den neutralen Dritten). Aber das kommt auf Dauer natürlich nicht gut an und weil es eben doch sehr wichtig ist, Leuten nicht unnötig auf den Schlips zu treten, scheidet diese Variante aus. Im Endeffekt war die Lösung dann irgendwie durchwurschteln, denn für eine programmatische Lösung war die Situation schon zu weit fortgeschritten.

Denn man muss sehr stark unterscheiden zwischen Fehden, die auf dem Schlachtfeld geführt werden und in der Regel jedes Mal mit einem gegenseitigen good fight (gf) enden und solchen, die aus welchen Gründen auch immer tiefer gehen. Mit ersteren Gegnern kann man ohne Probleme beim nächsten Mal gegen einen gemeinsamen Feind ziehen, beim letzteren muss man durchaus damit rechnen, dass dieser einiges an Anstrengungen auf sich nimmt, um einem richtig eine reinzuwürgen und auch beispielsweise gezielt strategische Assets wie Titans anzugehen.

Ein weiterer Punkt ist die Berücksichtung der eigenen Interessen. Eine Allianz, die Wert auf Ruhe und Stabilität legt, weil sie industrielle Aktivitäten bevorzugt, hat es dabei in der Regel einfacher. Denn hier geht es darum, eine möglichst lange Liste an Verbündeten zu sammeln und einen weiten Bereich zu befrieden. Im Idealfall bilden dabei befreundte Entitäten eine Pufferzone gegen Eindringlinge. Für eine PvP Allianz wie Rooks and Kings hingegen ist die Diplomatie eine sehr zweischneidige Sache. Einerseits können Freunde einem Intel verschaffen oder für jemanden die Bait spielen. Sie können auch die eigenen Gangs aufstocken, wenn es nötig wird. Und oft lernt man so wirklich nette Leute kennen, mit denen man einiges an Spass haben kann. Andererseits: je größer die eigenen Zahlen werden, desto schwerer ist es, einen Kampf zu finden. Je mehr Freunde man theoretisch abrufen kann, desto eher werden Gegner den Kampf vermeiden. Dazu kommen Sekundäreffekte.

Ein solcher Effekt tritt etwa auf, wenn man einer schwächeren Gruppe ein positives Standing gibt und diese dann diese Rückendeckung ausnutzt, die eigene Einflusssphäre über ein Maß auszubauen, das normalerweise realistisch wäre. Auf diese Weise kann man schnell an den Punkt kommen, wo man sehr weit reisen muss, um überhaupt Gegner zu finden. Man erzielt quasi den Effekt, den eine industrielle Allianz absichtlich erzielen will. Wenn man sich dann doch einmal so vergalloppiert hat, hilft nur noch ein Umzug (wie in unserem Fall nach Placid) oder ein Standing Reset. Zugegebenermaßen, unser Wegzug aus Aridia wäre wohl auch ohne diese diplomatischen Verwicklungen von Statten gegangen, denn selbst ohne diplomatische Aktionen wären uns dort die Ziele wohl ausgegangen. Aber diplomatische Fehler können diesen Prozess extrem beschleunigen.

Es gibt aber noch andere Punkte: so färbt der Ruf von Verbündeten auch schnell auf einen selber ab. Wenn man sich mit Griefern und Smackern zusammentut, muss man damit leben, irgendwann mit ihnen in einem Topf zu landen. Wer sich mit einer Entität einläßt, die auf einer Seite in einem großen Konflikt steht, wird hier schnell hereingezogen, ohne dass man es wirklich will. Das ist potentiell sehr verheerend, wenn man etwa Angriffsfläche in Form von eigenen Systemen oder Towern hat. Es kann aber auch Einfluss darauf haben, mit welchen Mitteln man bekämpft wird.

Alles in Allem: man sollte sich seine Freunde ebenso sorgfältig aussuchen wie seine Feinde.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+