Gearscore – Wenn Gearscore mit Skillscore verwechselt wird

Ein Trend der sich immer weiter durchzusetzen scheint, ist das Gearscore. Gearscore? Genau das hab ich mich auch gefragt, als ich das erste Mal vor ein paar Monaten mit diesem Begriff konfrontiert wurde:

Aus Langeweile hatte ich, damals noch auf Blackrock, auf ein Gruppengesuch für Naxxramas geantwortet. Als Antwort, dass ich gerne als Shadow mit möchte kam nur „GS?“ zurück. Wie GS? Gesundheitsstein? „Alter, wie ist Dein Gearscore?!“ Da ich nicht einmal wusste was Gearscore ist, konnte ich natürlich auch nicht beantworten, wie hoch mein Gearscore sei.

Was damals gerade Mode wurde, scheint heute Standard zu sein. Ohne guten Gearscore kommt man nirgendwo mehr rein. Aktuelle Untergrenze scheint irgendwas um die 5000 zu sein. Dabei macht das Addon Gearscore nichts anderes, als einen Wert aus Itemlevel, Enchants und Gems zu errechnen. Was unterm Strich dann rauskommt ist der sogenannte Gearscore.

Da Mem und ich ja derzeit recht viel mit unseren Twinks unterwegs sind, hab ich mir nun auch mal das AddOn Gearscore installiert, da man ja ohne diesen ominösen Wert in keine Random Gruppe mehr kommt. Interessanterweise haben wir beide bereits die unsichtbare Hürde von Gearscore 5000 geknackt. Mem liegt mit seinen Todesritter mit 5200 deutlich drüber, ich mit meinem Paladin dagegen nur knapp, aber immerhin.

Aber was sagt das nun aus? Im Endeffekt, dass ich 14 Tage auf Level 80 Heroics gefarmt habe wie blöde, um mir für Triumph-Marken alles zu kaufen. Ok, ein wenig Lootglück in den Heroics war auch dabei, aber wenn man täglich 10 Heroics und mehr spielt, kann man das Lootglück auch irgendwann erzwingen.

Gearscore ist nun ein weiterer, verzweifelter Versuch passende Mitspieler für einen Random-Raid zu finden, denn auch diese wollen nach Möglichkeit schnell durch die Instanz. Aber selbst mit Gearscore-Check in der Dalaran Mitte gelingt dieses Unterfangen nur den wenigsten Random-Raids. Denn der Gearscore sagt leider nichts über den tatsächlichen Skill des Spielers aus.

Nicht selten habe ich nicht so gut equippte Spieler besser spielen sehen, als so manchen voll epischen. Darum sollte man solche Bewertungssysteme immer mit Vorsicht genießen, da sie bei weitem kein Garant für Qualität sind. Sicherlich ist gutes und gepflegtes Gear ein Indiz, dass der Spieler bereits Erfahrung besitzt, aber eben nicht mehr.

Was einen Raid nun mal ausmacht ist Erfahrung im Zusammenspiel und Kommunikation, vor allem vom Raidlead, was man in den meisten Random-Raids nur selten findet. Darum halte ich nicht all zu viel von Gearscore und Co, da es eben kein Skillscore ist. Allerdings, wie man ja an unseren Twinks sieht, kann man in 14 Tagen auf Max-Level bereits so weit sein, das man eigentlich bereit für jede (Non HardMode) Instanz ist.

Einzige Ausnahme dürfte die Position des Tanks sein, der das mit Abstand beste Gear haben sollte, damit er von manchen Bossen nicht einfach zerrupft wird. Aber hier kann man sich ja zunächst als getarnter DDler in die Instanzen schmuggeln, um das Tankgear aufzupolieren. Am einfachsten hingegen sollte man es als Heiler haben, da man weder viel Schaden einstecken muss, noch so arg gebenchmarkt wird, wie als DDler.

Lange Rede kurzer Sinn: Auch ohne Gearscore ist es für mich eine Selbstverständlichkeit das maximal Erreichbare aus einem Char herauszuholen. Gearscore optruiert diesen Gedanken nun jenen Spielern auf, die es bis weilen nicht so gesehen haben. Viele missverstehen dieses jedoch als Allheilmittel für alle Random-Problematiken, was das Addon definitv nicht leisten kann.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+