Blizzards RealID – Die neue Form der Datensammlung in WoW?

Als neustes Feature im überarbeiteten BattleNet wurde von Blizzard die sogenannte RealID angekündigt, die es Freunden untereinander erleichtern soll, miteinander zu kommunizieren. Diese RealID ist nichts weiter, als der richtige Name der Spieler. Sobald man einen Spieler mit dieser RealID zur Freundesliste hinzugefügt hat, kann man spiel-, server- und sogar fraktionsübergreifend mit ihm chatten. Das klingt auf den ersten Blick gar nicht schlecht, vorallem wenn man Freunde auf anderen Realms oder in der anderen Fraktion hat. Dadurch wird die Serverbarriere endlich abgebaut und man kann Freundschaften so einfach pflegen, wie es derzeit nur mit externen Chat-Programmen möglich ist.

Wie ihr euch vorstellen könnt, gibt es dazu allerdings auch ein dickes „Aber“. Auf den PTRs wurde nun herausgefunden, daß, sofern man sich selbst anwhispert, eben jene RealID, also euer richtiger Name, ohne vorherige Anfrage oder Bestätigung ausgegeben wird. Die eigens für die RealID neu hinzugefügten API Schnittstellen, lassen diese Abfragen sogar via AddOns explit zu. Was bedeutet dies nun?

Mal angenommen, es gibt ein Addon, was eine doppelte Anfrage an Euch über Kreuz schickt, liefert der Client dem anfragenden Addon ohne Umschweife eure RealID, also euren richtigen Namen. Verknüpft man dieses Addon mit einem Chat-Channel, wie es derzeit schon AddOns wie z.B. Gatherer oder Carbonite tun, ist ein Addon in der Lage in Windeseile zu jedem eingeloggten Charakter den richtigen Spielernamen, also die RealID, herauszufinden, zu sammmeln und zu speichern. Die bevorstehende Verknüpfung vom BattleNet mit Facebook wirft da nur weitere Fragen auf, was genau mit unseren persönlichen Angaben und Daten noch weiter passieren soll. Derzeit gibt es keine Möglichkeit diese Anfragen zur RealID zu negieren, sprich jeder der euren richtigen Namen wissen will, bekommt ihn auch geliefert. Soviel zum Thema Annonymität.

Gerade durch den jügsten Bock zum Thema Datenerfassung, den sich Google mit seinen Street Cars leistete, was die breite Masse doch wieder ein stückweit in Deutschland beim Thema Datenschutz sensibilisiert hat, stellt sich mir die Frage, ob solche Funktionen tatsächlich etwas in einem Spiel verloren haben und was man dagegen tun kann, wenn man seine Daten nicht preisgeben will. Derzeit, so wie es scheint, leider recht wenig. Die Frage bleibt offen, ob Blizzard in der Tat keine negativen Gedanken bei der neuen RealID-Funktion hatte und es wirklich nur den Spielern erleichtern wollte, miteinander zu kommunizieren, oder ob Multi-Milliarden Dollar Firmen nicht bei Blizzard angeklopft haben, um ein paar Datensätze der Spielerschaft einzukaufen. Mit der neuen RealID wäre dies ein leichtes, ohne das Blizzard dabei großartig tätig werden müsste. Das dazugehörige Addon könnten die Datensammler gleich selber im Spiel einsetzen und Blizzard müsste sich nicht einmal die Finger schmutzig machen. Sie haben nur die Grundlage geschaffen, das es grundsätzlich möglich wäre. Verschwörungstheorien?

Aber auch „nur“ bei einem Accounthack wären fortan nicht mehr nur eure Daten in Gefahr: Eure gesamte Freundesliste mit Real Life Namen, wahrscheinlich direkt verknüpft mit Facebook, wären ebenfalls im Besitz der Hacker. Werden bald Accounts nicht mehr nur wegen des Goldes, sondern wegen der Datensätze gehackt? Welcher Prominente spielt WoW? Und wen hat er auf seiner Freundesliste? Alles Illusion?

Zumindest sehe nicht nur ich diese ganze Geschichte sehr bedenklich, denn auch im offiziellen Forum wird diese Sache heiß diskutiert, bishin zu Briefen an unsere Regierung. Immerhin scheint sich Blizzard nun selbst nicht mehr ganz so sicher zu sein, denn:

Auf dem PTR ist die Battle.net Freundfunktion sowie die RealID derzeit auf unbestimmte Zeit deaktiviert.

Ob Blizzard hier nun lediglich den Fehler korrigiert, dass jeder, ohne eure vorherige Zustimmung, an Eure RealID kommen kann, oder ob der ganze Dienst nochmals in Frage gestellt wird, ist unbekannt. Auf dem aktuellen Patch 3.3.5 PTR Build ist die RealID jedoch noch aktiv. Warscheinlich bezieht sich o.g. Aussage auf den kommenden PTR Build. Ich bin gespannt, wie Blizzard auf diese Situation reagieren wird. Das es erheblich am Image eines Unternehmens kratzen kann, hat man jüngst bei Google und damals bei Microsoft gesehen. Denn ganz verblödet ist die Menschheit zum Glück noch nicht.

Danke an Cawti, der mich auf diese interessante Thematik hingewiesen hat.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+