Der Herr der Ringe Online wird kostenlos. Free to Play als letzte Chance oder revolutionäres Konzept?

Bereits letzte Woche gab Turbine/Codmasters bekannt, das ihr derzeitiges Bezahl-MMO „Der Herr der Ringe Online“ ab Herbst keine Abo-Gebühren mehr erheben wird und damit vom Pay to Play mit Abomodell auf ein Free to Play Prinzip mit Itemshop umstellten wird. Ich wollte zunächst einmal ein paar Tage warten, um die Spielerreaktionen abzuwarten.

Ein krasser Schritt wie ich finde, wo als erstes der Gedanke aufkommt „Ist Herr der Ringe Online so am Ende, das neue, benötigte, Spieler, nur durch ein kostenloses Spiel in die Tolkien Welt gelockt werden können“? Ich glaube die Antwort ist hier: Nein. Der Herr der Ringe Online hat eine solide Playerbase, auch wenn es ein wenig hinter den Erwartungen zurück geblieben ist, sind es genung Spieler, die das Spiel am Laufen halten und damit Gewinn für die Hersteller erwirtschaften. Doch wenn man die Itemshop-Studien aufmerksam verfolgt, sind begeisterte und zufriedene Spieler durchaus bereit, mehr reales Geld in Itemshops zu investieren, als das es mit der Abogebühr abgedeckt werden könnte.

Eine monatliche Abogebühr zwischen 12-15 Euro stehen nun ca. 50 Euro gegenüber, die Spieler im Monat bereit sind, für ihr Hobby in einem Itemshop zu investieren. Also eine Differenz von 35 Euro, die beim Abomodell einfach unter den Tisch fallen, allerdings erwirtschaftet werden könnten. Diese Tatsache, plus, dass sich ein kostenloses Produkt besser promoten lässt und dadurch mehr Schaulustige anlockt, die am Ende evtl. dann doch in der Welt von Tolkien bleiben, als Leute, die sich von Abogebühren abschrecken lassen und stattdessen bei alt bewährtem bleiben, lassen nur den logischen Schritt zu, von einem Abomodell auf ein Free to Play Prinzip umzustellen, um dem MMO neues Leben einzuhauchen. Zumal dieser Schritt auch schon erfolgreich bei DDO geklappt hat. Nachvollziehbar, dass nun gleiches bei HdRO versucht wird. In einem Interview mit Turbine’s Adam Mersky und Kate Paiz werden diese und andere Gründe für die Umstellung genannt.

Hier gebe ich selber gerne zu: Herr der Ringe kostenpflichig: Nichts für mich. Kostenlos: Ja, warum nicht. Mal rein schauen wie es so ist. Kostet ja nichts. Genau diesen Gedanken werden einige andere sicher auch haben. Und am Ende, wenn man denn begeistert ist, ist das Spiel so ganz kostenlos ja trotzdem nicht. Größere Taschen, mehr Quests und Gebiete, Charakterslots usw., alles kostet dann extra. Eine genaue Übersicht zwischen den kostenlosen, VIP-Mitgliedschaften und Itemshops findet ihr übrigens hier.

Positiv also für alle, die noch nichts mit dem Herrn der Ringe zu tun hatte. Doch was sagen Subscriber, Abonennten und Lifetime-Abokäufer? Hier ist das Lager geteilt. Viele können diesen Schritt nicht nachvollziehen und drohen mit dem kompletten Gamequitt, und das, obwohl den damaligen Abonennten ja die VIP-Mitgliedschaft offen steht, wodurch sie keine Nachteile bekommen würden. Aber allein die Tatsache der Umstellung des Konzepts stösst einigen sauer auf. Auch hier muss ich sagen: Verständlich. Würde WoW umgestellt werden, wäre ich auch weg. Einfach weil es ums Prinzip geht. Ich bezahle, will den gesamten Content und nicht für jeden kleinen Mist in den Itemshop müssen.

Pointiert gesagt: Free to Play ist eine Chance um neue Kunden zu gewinnen, allerdings birgt es Gefahren für die bestehenden Kunden. Für kleinere Projekte also durchaus eine belebende Spritze, für Spiele wie WoW mit über 10 Millionen Abonennten wahrscheinlich eher ein Konzept, was nicht aufgehen wird.

Weitere Meinungen zum Thema gibt es bei Luna hier und hier.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+