Starcraft 2 – Ein RTS mit RPG Elementen – Wie gut ist SC2 wirklich? Mein erstes Fazit

10 Jahre Warten, 24 Stunden spielen, Zeit für ein erstes Review zum neuen, lang erwarteten, Starcraft 2. Doch fangen wir von vorne an, bei der Starcraft 2 Installation. Diese geht zum Glück so kinderleicht von der Hand, dass es einfacher kaum noch geht. Nachdem 8,5GB an Daten auf die Festplatte geschaufelt wurden, kann man das Spiel auch direkt starten. Allerdings benötigt man, und dies war ja gerade eines der Hauptkritikpunkte im Vorfeld, einen BattleNet Account, um sich ins Spiel einloggen zu können. Hat man noch keinen, muss man sich einen neuen erstellen. Die meisten WoW-Zocker sind allerdings schon mit einem BattleNet Account versorgt, so dass man via CD-Key lediglich Starcraft 2 zu seiner Sammlung hinzufügen muss. Eigens für den Starcraft 2 Release wurde das Webdesign des BattleNets so grundlegend überarbeitet, dass sich mittlerweile hier jeder problemlos zurecht finden sollte. Es ist wirklich alles selbsterklärend.

Der Vorteil des BattleNet: Man braucht zum anschließenden Spielen keine CD, das Suchen eines lästigen NoCD-Cracks entfällt also. Ferner wird das digitale Gut so vor Raubkopierern geschützt. Beim Einloggen in Starcraft 2 wird übrigens auch nach dem Authenticator gefragt, sofern man diesen schon bei WoW benutzt hat. Sichere Sache also. Das schützt vor Hackern. Der Nachteil: Man muss permanent mit dem Internet verbunden sein. Selbst wenn man die Kampagne spielt und mitten drin einen 24 Stunden Disconnect hat, wird man vom eigentlichen Offlinespiel getrennt und muss sich anschließend erst mal wieder neu einloggen. Mir ist es egal, wenn der Rechner an ist, bin ich im Internet. Allerdings könnte dies bei einigen willigen Zockern ein K.O-Kriterium sein.

In der Hauptmaske kann man sich dann zwischen Single- und Multiplayergames entscheiden. Ebenso gibt es eine Übersicht über die Achievements und Statistiken der Online- und Ranglistenspiele. Achievements? Jupp, genau wie bei WoW gibt es bei Starcraft 2 verschiedene Achievements bei jeder Mission zu ergattern, wodurch sich diverse Boni im Spiel freischalten lassen. Diese dienen aber meist nur der Kosmetik und sind nicht spielbeeinflussend. In den ersten Stunden habe ich nun vorrangig die Singeplayer-Kampagne getestet, die Multiplayergeschichte schaue ich mir später an.

Dreh und Angelpunkt der Geschichte ist das Raumschiff Hyperion, auf dem man seine nächsten Aktionen planen, Ausrüstung verbessern und Forschung betreiben kann. Das klingt nicht nach einem RTS? Stimmt, viel eher erinnern diese Punkte an ein klassisches RPG. Auf dem Schiff stehen vier begehbare Locations zur Auswahl: Die Brücke, das Labor, die Schiffsmesse und das Arsenal. Auf der Brücke kann man sich die nächsten Missionen, von denen immer gleich mehrere zur Auswahl stehen, im gesamten Verlauf der Story 29 um genau zu sein, ansehen, auswählen und starten. Allerdings steht im vorliegenden Wings of Liberty nur die Kampagne der Terraner zur Verfügung. Die der Protoss und Zerg folgt mit seperaten Spielen, wahrscheinlich wieder zum Vollpreis mit ein paar Jahren Entwicklungszeit zwischendurch.

Im Labor kann man Forschung betreiben, sofern man in den Missionen Forschungspunkte gesammelt hat. Diese Forschungspunkte sind optionale Ziele in den Kampagnen, die man erfüllen kann, aber nicht muss. Jeder der Spaß an RPG Geschichten hat, wird aber versuchen diese Ziele zu erfüllen, da doch eine ganze Menge an Upgrademöglichkeiten zur Verfügung stehen. Im Arsenal stehen Waffenverbesserungen zur Verfügung, die man mit verdienten Credits bei den Missionen kaufen kann. Mehr Leben, mehr Feuerkraft, hier kann fast alles verbessert werden. In der Schiffsmesse kann man ebenfalls für Credits Söldner anheueren, die im Gegensatz zu normalen Einheiten nochmals mehr Bumms haben. Ansonsten stehen hier die neusten Nachrichten zur Verfügung, kann der Musikbox zuhören, Lieder aussuchen bzw. wechseln, oder eine Partie „The Lost Vikings“ am Spielautomaten spielen, eine klassische Side-Scroller Weltraum-Ballerorgie.

Und die Missionen selber? Grundlegend hat sich hier auch nach 10 Jahren nicht viel geändert. Es spritz einiges an rotem Blut, und das trotz FSK 12 Freigabe. Die Grafik ansonsten ist ok, wenn auch nicht extrem spektakulär. Immerhin soll das Spiel den RTS-E-Sport revolutionieren, da kann es nicht nur auf 1% der Spieler-PCs flüssig laufen. Vom Netzwerkdurchsatz mal ganz abgesehen. Die Missionen sind zwar abwechslungsreich, aber es ist auch genügend alt bewährtes dabei. Ist Starcraft 2 deswegen nun schlecht? Einige werden sicher behaupten, dass dies für 10 Jahre Entwicklungszeit zu wenig ist. Ich behaupte: Es ist wie eine Portation von der VHS zur Blu-Ray. Das Spiel war damals schon gut, nun bekommt es die würdige Plattform spendiert. Gerade die RPG-Komponenten drum rum, die Aufmachung und das Polishing verleihen Starcraft 2 das, was Blizzard schon lange im Firmennamen trägt: Entertainment. Es ist einfach das Komplettpaket, was Starcraft 2 zu einem sehr stimmigen Spiel werden lässt. Ich fühle mich einfach gut unterhalten dabei.

Sicherlich werden ein fehlender Lan-Modus, BattleNet und RealName für Einige dicke Veto-Punkte sein, dafür sind Liga und Rated-Games nun so einfach zu spielen wie nie zu vor. Wenn ich an damals zurück denke, wie frickelig es werden konnte, Diablo 2 oder Starcraft im BattleNet zum Laufen zu bekommen, Ligaspiele zu verabreden etc. All das übernimmt nun das Spiel selber. Man muss nur noch konsumieren. Was Blizzard mit WoW geschafft hat, wird jetzt mit Starcraft 2 konsequent fortgeführt: Online Multiplayer zocken für Jedermann, ohne dabei ein Nerd sein zu müssen, der 10 Handbücher lesen muss, wie man den PC mit dem BattleNet verbindet oder onlinefähig bekommt. Blizzard bereitet sich und seine Spieler auf das Web 2.0 vor: Kiste anmachen und los legen.

Für mich ist Starcraft 2 ein Meilenstein was den Bedienungskomfort angeht. Ob wir das Ganze nun Starcraft 2, Starcraft 2.0 oder Starcraft Upgrade nennen ist mir Schnuppe, im Gesamtpaket ist es ein klasse Spiel geworden, sofern man wie ich ein Entertainment Junkie ist und auch das Drumherum zu würdigen weiss.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+