Gunnar Gaming Brillen im Test: Der Erfahrungsbericht und das Fazit

Nach dem ersten Teil des Gunnar Gaming Brillen Reviews gibt es jetzt den zweiten Teil von Johanns Erfahrungsbericht

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Die Brille beim Gaming
Ich starte World of Warcraft und setze meine Brille auf. Schlagartig wird das gesamte Spiel dunkler, das Licht des Bildschirms strahlt weniger. Anders als erwartet bekommt WoW allerdings keinen Gelbstich, die Brille sorgt nur dafür, dass die Farben etwas wärmer werden. Andere Tester empfanden die neue Farbgebung zwar als gewöhnungsbedürftig, ich persönlich finde die dunkleren Farben deutlich angenehmer. Irritationen gibt es am Anfang nur, wenn ich mit der Brille vom Bildschirm weggucke. Denn dann taucht die i-Amp-Technologie tatsächlich die gesamte Welt in einen gelben Schleier wie zur sommerlichen Abenddämmerung. Aber zum in die Luft gucken sind die Brillen ja auch nicht gedacht. Durch die dunklere Färbung kommen Kontraste deutlich besser zur Geltung, und selbst verschwommene oder halbverdeckte Objekte werden klarer sichtbar. Ich arbeite in meinem WoW-Interface mit halbtransparenten Rahmen – während ich normalerweise nur an grellen Farben erkenne, was hinter diesen Rahmen vorgeht (Raus aus dem Feuer!) , kann ich nun jede einzelne Weg-Kachel sehen, über die ich laufe. Allgemein wirken alle Texturen deutlich schärfer und klarer erkennbar. In Sachen World of Warcraft ist das zwar angenehm, aber mal Butter bei die Fische: Einen großen spielerischen Vorteil erschleicht man sich dadurch nicht. Anders sieht es aus, wenn man sich in den Multiplayer diverser Shooter wie Call of Duty oder das gute, alte Counter-Strike stürzt. Gerade bei letzterem kann ich mir durch die veraltete Grafik gut vorstellen, dass schärfere Texturen einen starken Vorteil bringen: Wer Gegner schneller erkennt, kann auch schneller schießen. Und wer schon irgendwann mal einen Fuß in die Lobby eines Multiplayer-Shooters gewagt hat weiß: Hier geht es um Hundertstel Sekunden. Genau deshalb setzen wohl auch vermehrt die Spieler von Starcraft und Starcraft 2 auf diese Brillen. Wenn einmal danebenklicken einen massiven Zeitverlust bedeutet, dann bringt besser sehen weniger Zeitverluste. Meine persönliche Überraschung kommt, als ich die Brille auf dem Fernseher teste und Assassin’s Creed Brotherhood in die PS3 einlege: Die ständig auftauchende grelle, weiße Farbe in Ladebildschirmen und im Menü nervt nun deutlich weniger – ohne Gaming-Brille musste ich bei diesem Spiel meist die Helligkeit des Fernsehers nach unten fahren. Sonst brannten gerade beim Spielen in der Nacht schnell die Augen.

Wie groß der Unterschied in Sachen Sicht ist, bemerke ich erst, als ich die i-Amp-Brille nach den ersten zwei Stunden abnehme: Sämtliche Farben und Texturen wirken matter und verwaschener, die Farben strahlen recht grell. Das soll allerdings nicht heißen, dass ich plötzlich ohne Brille nicht mehr spielen könnte: nach einer Nacht durchschlafen meckern meine Augen auch dann nicht, wenn ich ohne Brille zu zocken beginne. Nur wenn ihr einen Raidabend mit den Gläsern startet, solltet ihr ihn auch mit Brille durchziehen. Allerdings gibt es zugegebenermaßen auch keinen Grund, die Brille mittendrin wegzulegen. Der zweite Effekt der Brille, die Reduzierung von Computer Vision Syndrome ist deutlich besser spürbar. Naja, zumindest wenn man darauf achtet, denn eigentlich spürt man weniger. Auch nach beinahe durchgezockten Nächten brennen meine Augen nicht und ich kann noch locker und ohne die Augen zusammenzukneifen den Gildenchat lesen.

Das einzige wirkliche Manko ist leider ein sehr nerviges: Die Gläser sind leider nicht bis kaum entspiegelt. Gut, wer schon mal eine Brille gekauft hat, weiß: Das würde den Preis der Brillen von durchschnittlich 80 Euro stark in die Höhe treiben, nervig sind die Spiegelungen auf Dauer trotzdem. Gerade wenn ihr in abgedunkelten Räumen spielt, stören flatternde Spiegelungen von Bildschirm-Effekten im Sichtfeld. Aber um fair zu bleiben: Nach einer Weile gewöhnte ich mich an die Spiegelungen und nahm sie kaum noch wahr. Nur wer bei Tageslicht mit der Sonne zu kämpfen hat oder in tiefster Nacht eine helle Schreibtischlampe einschaltet, könnte Probleme bekommen.

Die Brille beim Arbeiten
Vorweg: Nach dem Raid-Abend mit der für mich zu kleinen E11VEN nutze ich die Phantom Gaming Eyewear auch zum arbeiten. Das macht für euch vor allem dann Sinn, wenn Ihr beim Arbeiten Musik über das Headset hört: Denn die Bügel der Brillen aus der Reihe Digital Performance Eyewear (wie die E11VEN) bieten wie gesagt zwar bequemere Bügel – die sind aber nicht für Kopfhörer ausgelegt. Einen Unterschied in Sachen Gläser gibt es aber ohnehin nicht, beide Brillen nutzen die i-Amp-Technologie.

Anders als beim Spielen sieht man auf weißem Word-Papier und auf den meisten Webseiten den Gelbstich deutlich, es dauert eine Weile sich daran zu gewöhnen. Tatsächlich wirkt es so, als würde man mit einer schwach getönten Sonnenbrille arbeiten. Das hat jedoch Vorteile: Dank des stärkeren Kontrasts wird der harte Schwarz-weiß-Kontrast beim Lesen aufgebrochen, die Buchstaben einer Word-Seite sind ohne Anstrengung voneinander zu unterscheiden. Selbst auf einer vollgepackten Seite Word-Text verrutsche ich beim Korrekturlesen nicht einmal in der Zeile. Dabei hilft auch die leichte Vergrößerung in den Brillengläsern. Die +0,2 Dioptrien vergrößern den Bildschirm ein wenig, die Bildschirmseite wirkt näher, kleinere Schrift wäre also selbst ohne den stärkeren Kontrast besser lesbar. Nach mehreren längeren Arbeitstagen am Bildschirm wird mir langsam die wahre Bedeutung von i-AMP und Computer Vision Syndrome bewusst. Noch am Abend sehe ich jede Wall of Text klar und deutlich und meine Augen fühlen sich relativ frisch. Klar: Trotz Brille von Gunnar Optiks sind meine Augen am morgen ausgeruhter als abends kurz vor Feierabend. Aber während ich normalerweise gegen Mittags damit beginne meine Augen zusammenzukneifen, um einwandfrei lesen zu können und mich öfter mal näher an den Bildschirm zu beugen, kann ich nun auch abends noch problemfrei und ohne mich zu verbiegen sehen. Und wie jeder Leser mit Büro-Job weiß: Weniger krummes sitzen bedeutet weniger Nacken- und Rückenschmerzen.

Bedenklich war für mich lediglich, ob sich die Augen an die Erhöhung der Dioptrien gewöhnen und alltägliches Sehen so mühsamer wird. Im Klartext: Ich hatte Angst, dass meine Augen durch die Nutzung der Brille schlechter werden. Dazu ließ sich nach einiger Recherche zwar kaum etwas finden, nach zwei Wochen konnte ich jedoch im Alltag keine Sehschwäche feststellen. Besser gesagt, meine vorhandene Sehschwäche hat sich nicht verstärkt. Vorsichtshalber aber die Empfehlung: Macht trotz Gunnar Optiks Gaming-Brillen regelmäßige Bildschirmpausen und nehmt die Brillen dabei auch ab. Vorsicht ist besser als gar keine Sicht.

Fazit
Die interessante Frage: Würde ich nach zwei Wochen Test 60 bis 100 Euro für eine Gaming-Brille ausgeben? Die Antwort lautet: „Ja, aber!“. „Ja“, denn tatsächlich sehen die meisten Spiele mit der Brille einfach besser aus und durch weniger grelles Licht und bessere Kontraste müssen sich meine Glubbscher weniger anstrengen und Spielen wird komfortabler. Das zeigt sich sogar noch deutlich besser beim Lesen und Schreiben am Bildschirm. Das „Aber“: 60 bis 100 Euro für eine Gaming-Brille, das ist ein ganzer Batzen Kohle. Vor allem dafür, dass es sich dabei eigentlich um ein reines Komfort-Produkt handelt, das meine spielerische Leistung nur minimal verbessert und das auch nur in Multiplayer-Spielen, in denen Zehntelsekunden über Sieg oder Niederlage entscheiden. Bevor ich mir also eine Brille mit i-AMP hole, würde ich mir vermutlich erst mal eine geilere Maus oder ein besseres Keyboard holen. Und jetzt das „Aber“ zum „Aber“: Ich sitze am Tag bis zu 12 Stunden vor dem Bildschirm und ich mag meine Augen. Da finde ich 60 Euro einen angemessenen Preis dafür, dass die Glotzer auch nach 12 Stunden vor dem Monitor noch nicht brennen und ich auch abends meine Augen noch nicht zusammenkneifen muss, um alle Buchstaben zu erkennen.

Gunnars Optiks Eyewear Gaming Brillen
Pro
  • schärfere Texturen
  • Augen ermüden langsamer
  • blendendes Licht wird abgeschwächt
  • sitzt auch mit Headset bequem
  • Text-Dokumente werden besser lesbar
  • Nebenbeschwerden (Kopfschmerzen) werden verringert
Contra
  • keine entspiegelten Gläser
  • Gelbstich ist für einige Nutzer gewöhnungsbdürftig
Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+