Im Test: Gunnar Eyewear Optiks E11VEN und Phantom – oder was taugen Gaming-Brillen?

Vor ein paar Wochen ist ein Mitarbeiter von TrekStor an uns heran getreten, ob wir nicht Interesse hätten, Gunnar Eyewear Optiks Gaming Brillen in einem Review für unseren Blog unter die Lupe zu nehmen. Grundsätzlich war ich von der Idee, Gaming Brillen zu testen, direkt angetan, doch nach einem kurzen Grifff an meine Nase fiel mir wieder ein, warum ich selber schlecht ein Gamer Brillen Review durchführen kann: Ich bin Brillenträger. Mit der Brille über der Brille bin ich wohl kaum die richtige Person, um ein objektives Review durchzuführen. Darum habe ich kurzerhand meinen lieben Arbeitskollegen Johann Trasch gefragt, der von Brille auf Kontaktlinsen umgestiegen ist, ob er nicht Lust hätte, den Gaming Brillen mal etwas genauer auf den Zahn zu fühlen. Lest an dieser Stelle nun sein Review zu den Gunnar Gaming Brillen.

Johann schrieb:
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Seit einigen Monaten sieht man Sie allerorten, egal ob an Messeständen oder auf den Nasen professioneller Starcraft-Spieler: Gaming-Brillen. Die gelben Gläser und das meist lässige Design geben zwar Extrapunkte für guten Stil, aber was bringen die Dinger eigentlich? Laut den Berichten von Hersteller Gunnar Optiks verbessern Sie die Schärfe der Spiel-Texturen, verbessern die Sicht auf den Bildschirm stark und beugen Ermüdungserscheinungen vor. Und um an dieser Stelle mal die Schärfe aus meiner Skepsis zu nehmen: All das tun die Brillen auch nach den Berichten der meisten Nutzer.

Was genau machen Gaming-Brillen?
Da Brillen zumindest außerhalb des 3D-Sektors noch eher Neuland sind in Sachen Hardware, kommt hier eine kurze Erläuterung: Die Gaming-Brillen von Gunnar benutzen i-AMP Technologie, ein besonderes Glas-Material: I-Amp-Brillen besitzen gelb getönte Gläser und sehen auf den ersten Blick aus wie normale Sonnenbrillen. Diese Glas-Färbung filtert blaue Farbtöne aus der Sicht des Spielers und sorgt so für ein schärferes Bild. Außerdem besitzen die Gläser der Brille eine Sehstärke von +0,2 Dioptrien. Für alle Nichtbrillenträger: Dioptrien-Werte geben an, wie gut oder schlecht jemand sieht. Eine Sichtkorrektur von +0,2 ist dabei nicht einmal halb so stark wie die schwächste denkbare Lesebrille und bewirkt einzig und allein eine leichte Vergrößerung des Sichtfeldes. Die Gelbtönung sorgt natürlich außerdem dafür, dass weniger Licht zu den Augen dringt – das Bild auf dem Monitor wird dunkler, helle Effekte überstrahlen nicht mehr so und wer nachts im abgedunkelten Zimmer auf ein weißes Word-Blatt schaut, dem schmelzen nicht länger die Augäpfel weg. Im Office-Bereich reduzieren die Brillen außerdem das sogenannte Computer Vision Syndrome. Das bezeichnet praktisch jede Form von Erkrankung, die mit Bildschirmarbeit zu tun hat, darunter brennende, ermüdete Augen, Kopf- und Nackenschmerzen, allgemeine Müdigkeit (vor allem nach der Arbeit am Bildschirm) und diverse Probleme mit Irritationen am Auge.

Die Testbedingungen
Soweit zur Theorie. Ich teste die Gaming-Brillen anhand einer E11EVEN Digital Performance Brille und einer Phantom, die sich eher für Gaming eignen soll. Die i-Amp-Gläser (also Sehstärke und Tönung) sind gleich, einzig die Form der Brillen unterscheidet sich. Ich selbst bin langjähriger Brillenträger, bin jedoch vor einiger Zeit auf Kontaktlinsen umgeschwenkt. Seitdem ermüden meine Augen schneller, vor allem, wenn ich längere Texte schreibe. Das wiederum sorgt dafür, dass die Augen nach einer Weile schmerzen, geradeaus gucken anstrengender wird und ich dadurch schneller ermüde.  Somit bin ich eigentlich ein typisches Opfer vom Computer Vision Syndrome, wenn auch in einem vergleichsweise leichten Fall.

Der Tragekomfort
Die Phantom verfügt über dünne Bügel mit Aussparungen an beiden Seiten, dadurch wird es einfacher, sie zusammen mit einem Headset zu tragen. Die Bügel der E11VEN sind deutlich breiter und größer, aller Wahrscheinlichkeit nach sitzt sie dadurch ohne Headset etwas angenehmer auf den Ohren. „Aller Wahrscheinlichkeit nach“, weil: Die Phantom ist laut Gunnar Optiks eine Brille der Größe „L“ und von der Größe her wie für meine gigantisch Birne gemacht. Die E11VEN mit Größe „M“ ist spürbar kleiner – ich kann sie zwar noch aufsetzen und drei bis vier Stunden tragen – spätestens dann aber spüre ich einen fiesen Druck hinter den Ohren. Um sie trotzdem zu testen, benutzte ich die Gunnar E11VEN einen Raidabend lang. Ergebnis: Zusammen mit dem Headset schmerzen die Ohren noch schneller. Um das nochmal klarzustellen: Die Brille kann nichts dafür, dass sie unbequem sitzt und wird auf einem kleineren Kopf sogar bequemer anliegen als die Phantom. Allerdings lautet die Empfehlung: Besorgt ihr euch eine solche Brille, achtet darauf, die richtige Größe zu kaufen. Sonst hilft auch i-AMP-Technologie nicht gegen Kopfschmerzen. Die Phantom mit Größe „L“ dagegen sitzt auch nach mehreren Raids hervorragend und übt nirgendwo Druck aus – trotz einem etwas schwereren Headset.

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Im Zweiten Teil des Gamer Brillen Reviews lest ihr dann Johanns Erfahrungen mit der Gunnar Eyewear beim Spielen und Arbeiten. Stay tuned…
Edit: Den zweiten Teil des Gunnar Gaming Brillen Reviews findet ihr mittlerweile hier.

Marcus Lottermoser
Streamer/YouTuber/Redakteur at Myself
Jahrgang '79, seit Ende der '80er nerdiger Gamer. Absolvierte die Ausbildung zum Editor bei der Computec Media AG (PC Games) in Fürth. Kommunikationsdesigner durch die School of Life, Streamer und YouTuber aus Leidenschaft! Google+